Hörenswert

Herbert Bornewitz: "Total in Bild" – genauer: "Eine makabarettistische Realvision der deutschen Medienlandschaft, live aus dem Mainzer Unterhalts." Wenn man außer acht läßt, daß die Liveaufnahme einem dennoch nicht die Liveatmosphäre zu ersetzen vermag und man recht distanziert auf das wartet, was einem um die Ohren fliegen wird, erlebt man überrascht eine gescheite und witzige Vorstellung. Der Held dieser Ein-Mann-Show, der früher als Fastnachts-Büttenredner so oft angeeckt hat, daß man ihn da nicht mehr litt, war fünfundzwanzig Jahre lang Angestellter, zuletzt Prokurist, ehe er den freien Beruf des Kabarettisten (und Journalisten) wählte. Man hört ihm neugierig zu. Er trifft einen Ton zwischen Stammtisch und Theater, der weder zu gewöhnlich (und platt) ist noch zu kunstvoll (oder manieriert). Wenn er auf der Parkbank mit einem imaginären Nachbarn über das Altersheim, das eine Seniorenresidenz geworden ist, schwatzt, macht er einen glauben, daß er ein Mensch von nebenan sei – nur hat er, im Gegensatz zu den meisten Leuten von nebenan, seinen satirischen Witz. Und er ist wirklich ironisch; er gibt seinen meistens beiläufig gereichten Pointen keinen Stoß, verrät sie nicht mit Selbstgelächter oder Augenzwinkern. Die Kalauer sind selten. Sein dramaturgischer Kniff ist, daß er Leute, von denen er spricht, dann selber spielt, den Liedersänger, den Hauswart oder den Banknachbarn (den er reden macht, indem er ihn schweigen läßt). Und obwohl die Vorstellung ein Jahr alt ist, hat sie ihre aktuelle Frische bewahrt. Schwarz-Schilling ist ja heute so penetrant wie damals damit beschäftigt, "ein einzig Volk von Videoten" zu schaffen – "Video, wie Deo, pff, pff fürs Gehirn, damit’s nicht so müffelt nach kritischen Gedanken". Ich weiß nicht, fragt der Kabarettist, "ob Sie noch wissen, wie Bücher aussehen? Sehn’n aus wie Videokassetten mit bedruckten Blättern drin". (Rillenschlange, Postfach 2 25, 3205 Bockenem; Best-Nr. EfA-08-5602) Manfred Sack

Amüsant

"Bangles: "All Over The Place". Nach dem Resultat dieses Debüts zu urteilen, haben die Bangles ihre Vorbilder sorgfältig studiert: "Beatles ’65", das "Fifth Dimension"-Album der Byrds und alle möglichen Gitarrenbands der sechziger Jahre bis zu frühen Quicksilver Messenger Service mit ihrem LSD-sauren Vibrato. Da will niemand in diesem Mädchen-Quartett virtuos glänzen, wichtiger war den vieren ein kompakter Vokalsatz und ein identifizierbarer Gruppensound ohne Schnörkel und überflüssige Verzierungen. Noch das ehrgeizigste Stück ist "More Than Meets The Eye" mit einem Streicherarrangement, das aber nicht "progressiver" sein will als das, was George Martin für "Yesterday" schrieb. Singen können die Blondie-Nachfolgerinnen alle mindestens so gut wie Deborah Harry. Nur die Produktion klingt leicht antik und stellenweise amateurhaft. Aber auch das paßt am Ende noch zu diesem Sechziger-Jahre-Sound. (CBS 26015) Franz Schüler