Das Technopolis-Konzept

Von Michael Jungblut

Nachdem es etwas aus der Mode gekommen ist, neben jedem Kirchturm ein luxuriöses Schwimmbad als Symbol kommunalen Weitblicks zu setzen, ist heute der Technologiepark zum Traum deutscher Bürgermeister geworden. Kaum eine Woche vergeht, ohne daß ein mehr oder weniger durchdachtes und sinnvolles Projekt für ein Gründerzentrum, einen Innovationspark oder ein Science-Pool der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Selbst die betulichen Hanseaten wollen da nicht mehr länger zurückstehen. Hamburger Kaufleute ließen die staunende Öffentlichkeit zu Beginn dieser Woche wissen, daß sie für ein High-Tech-Center Hamburg "ins Risiko gehen" wollen, jedenfalls ein bißchen. Staatliche Fördermittel wurden natürlich längst beantragt – so wie es heute bei wagemutigen deutschen Unternehmern eben der Brauch ist.

Die Begeisterung für Spitzentechnologie auf der grünen Wiese entzündet sich immer wieder an dem Beispiel "Silicon Valley", wie das Pflanzbeet für junge Elektronik-Unternehmen im geistigen und ökonomischen Umfeld der Stanford-University in Kalifornien genannt wird. Aber die deutschen Innovationszentren sollen auch eine Antwort auf die japanische Herausforderung sein, sollen helfen, im Wettlauf um die Spitzenplätze bei den sogenannten Zukunftsindustrien mitzuhalten.

Doch es könnte schon wieder die Antwort auf die Herausforderung von gestern statt von morgen sein. Denn auch die Japaner arbeiten an Konzepten für Innovationszentren. Industrieparks herkömmlicher Art wurden und werden in allen Provinzen des Kaiserreichs erschlossen. Japanische Bürgermeister und Gouverneure bemühen sich mindestens ebenso intensiv um die Ansiedlung in- und ausländischer Firmen wie ihre deutschen Kollegen. Und auch ihr Ehrgeiz, sogenannte High-Tech-Firmen mit allerlei Vergünstigungen zu ködern, ist ebenso ausgeprägt.

Neues Flaggschiff der Industriepolitik ist aber das Technopolis-Konzept. Es wurde vom Ministerium für Industrie und Internationalen Handel (MITI) im Rahmen seiner "Vision für die achtziger Jahre" entwickelt, um bei dem Versuch mitzuhelfen, die riesigen industriellen Ballungszentren etwas aufzulockern und auch in den vom wirtschaftlichen Aufschwung des Inselreiches weniger begünstigten Regionen moderne Arbeitsplätze zu schaffen. Vor allem jedoch sollen überall im Lande Kristallisationspunkte für Zukunftsindustrien geschaffen werden. "Die Faktoren für die Industrieansiedlung haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt", erläutert der zuständige Beamte im MITI das Konzept. "Die Grundstoff- und Schwerindustrie brauchte Standorte am Meer, Die neuen Industrien mit ihrer hohen Wertschöpfung benötigen keine so aufwendige Infrastruktur, sondern Ideen und junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte; die Transportkosten fallen nicht so stark ins Gewicht wie bei den alten Industrien; die Umweltbelastung ist gering; auch die Unternehmen selbst müssen oft nicht so groß sein, um alle technischen Vorteile bei der Produktion ausschöpfen zu können. Das erleichtert die Dezentralisation."