Von Charlotte Kerner

Der Tod als die Gräme der natürlichen Rechtsfähigkeit, ist ein so einfaches Naturereignis, daß derselbe nicht, so wie die Geburt, eine genaue Feststellung seiner Elemente nöthig macht.

Friedrich Karl von Savigny, Jurist, 1840

Jahrtausendelang galt der Mensch als tot, wenn Atmung und Herz stillstanden. Das war einleuchtend, für jeden augenfällig und rechtlich brauchbar. Doch vor 25 Jahren gesellte sich zu diesem "einfachen Naturereignis" ein Kunstprodukt der Intensivmedizin: der Hirntod. Er bedeutet das Ende aller Funktionen des Groß- und Stammhirns, während Maschinen die Atmung und Stammhirns, den Kreislauf stützen.

Das menschliche Gehirn stirbt, wenn die Blut- und damit die Sauerstoffzufuhr versiegt. Beim Hirntod erhöht – typischerweise – eine Hirnblutung oder schwere Kopfverletzung nach einem Unfall den Druck innerhalb des Schädels. Dieser Hirndruck blockt von oben das Blut unterhalb des Kopfes ab. Allerhöchstens zehn Minuten überlebt unser Denkorgan einen solchen Zustand.

Der Körper stirbt freilich nicht ab, wenn der Verletzte auf einer Intensivstation bereits an eine Beatmungsmaschine angeschlossen ist – oder wenn diese rechtzeitig angestellt wird. Niere, Leber und Herz werden dann, getrennt vom verstorbenen Hirn, weiter mit Sauerstoff versorgt und quasi konserviert. Stunden bis Tage kann dieser Zustand dauern, bis endlich das "einfache Naturereignis" Tod eintritt.

Der Heidelberger Rechtswissenschaftler Professor Adolf Laufs sieht in dem Hirntod "eine Scheidelinie, die sich anthropologisch begründen läßt und die der Wirklichkeit des Todes gerecht wird. Denn der Sitz dessen, was das Personsein eines Menschen und sein Lebenszentrum ausmacht, liegt im Gehirn und nicht im Herzen oder in einem sonstigen Organ." Weltweit sind sich heute Juristen und Mediziner, Naturwissenschaftler und Philosophen einig, daß der Hirntod allein den Tod des Menschen bedeutet.