Die Wut ist elementar und bricht trotzdem hervor. Aus scheinbar nichtigen Anlässen. Eben waren wir noch kontrollierte Zornesarbeiter; plötzlich sind wir wütende Furien. Zum Beispiel ich, anläßlich der Lindenbergkreuzung vor meinem Dorf. Ein Autobahnzubringer kreuzt dort eine Bundesstraße. Die Bundesstraße führt recht schmal den Berg hinauf oder hinab; der Zubringer folgt gut ausgebaut dem Verlauf des Tals. Vom Fahrgefühl her wähnt sich jeder Benutzer des Zubringers im Besitz der Vorfahrt; doch der Benutzer der Bundesstraße hat sie, weil die Bundesstraße höherrangig ist. Seit Jahr und Tag bumst es an dieser Stelle. Auch Stoppschilder und Hinweisschilder "Achtung, erhöhte Unfallgefahr!" ändern nichts daran. Die Fremden, heißt es, fahren nach dem Gefühl. Aber die Einheimischen auch. Man wollte Ampeln aufstellen. Jetzt baut man, wiederum Land vernutzend, eine noch riesigere, mit unterteilten Abzweigungen versehene Kreuzung. Doch es bleibt eine Kreuzung. Kaum hatten die Bauarbeiten begonnen, schossen zwei Wagen gegeneinander. Die vielen Schwerverletzten und Verletzten. Die vielen Opfer, die vielen Schuldigen. WARUM POLT IHR DIE STRASSEN NICHT UM?! schreit es in mir. Das Bumsen ist durchs ganze Dorf zu hören, und wir kennen es aus jedem anderen Bumsen heraus. Und wieder das furchtbare Bumsen... Da schrie es bis zur Erschöpfung aus mir heraus: MÖRDER! IDIOTEN!, zum Fenster hinaus. Meine Wut zündete in der Entdeckung der Bodenlosigkeit, in dem Gefühl des Herausstürzens aus allen Zusammenhängen und aller Grammatik.

Ich denke an meinen Physiklehrer...