Von Richard Gaul

Eines wollte Innenminister Friedrich Zimmermann bei all seinem berechtigten Streben nach einem umweltfreundlicheren Auto auf jeden Fall verhindern: einen Einbruch bei der Autokonjunktur. Eben das aber droht nun die erste greifbare Folge der anderthalbjährigen Diskussion um die Abgasentgiftung zu sein.

Die Autohändler berichten schon von drastischen Rückgängen der Bestellungen in den letzten Wochen. Die Kunden wissen nicht, wie sie sich entscheiden sollen und schieben ihren Kauf zunächst einmal auf.

Die potentiellen Käufer verhalten sich damit durchaus vernünftig. Der Autohalter tut gut daran, sich seine Anschaffung genau zu überlegen. Denn der heute gekaufte Wagen soll nach durchschnittlich drei Jahren als Gebrauchtwagen einen guten Preis bringen. Wenn bis dahin aber Katalysator-Autos die Norm sind, muß schon deshalb für ein Auto alter Technik mit deutlichen Abschlägen gerechnet werden. Überdies wird immer noch über ein Tempolimit diskutiert, vielleicht ebenfalls nur für Autos ohne Katalysator. Das teure Stück könnte dann nur noch eingeschränkt genutzt werden; sein Wiederverkauf wäre weiter erschwert.

Diesem Dilemma könnte der Käufer entgehen, wenn er sich schon jetzt für ein entgiftetes Auto mit Katalysator entscheidet. Dagegen aber spricht, daß das dafür notwendige bleifreie Benzin noch gar nicht überall verfügbar ist: Bis zum Jahresende sollen erst knapp drei Prozent der Tankstellen den neuen Sprit anbieten – und der ist auch hoch erheblich teurer als das alte Benzin.

All diese Einschränkungen gelten für den Diesel allerdings nicht: Der Treibstoff wird sich nicht verändern, Diesel-Autos erfüllen schon jetzt die für Benziner erst geplanten schärferen Abgaswerte. Ein deutlicher Trend zum Diesel läßt sich aber dennoch bisher nicht erkennen, und das ist ebenfalls erklärlich. Denn die geplanten – aber immer noch nicht gesetzlich festgeschriebenen – Veränderungen für Benzin-Autos könnten diese so attraktiv machen, daß der Diesel sich für den Autofahrer wieder nicht rentiert; außerdem ist noch nicht klar, ob nicht auch für den Diesel ebenfalls neue, noch schärfere Abgaswerte vorgeschrieben werden sollen.

Die Kaufzurückhaltung fällt den Autofahrern leicht, da sie auf nichts verzichten müssen. Wer seinen Neuwagenkauf um einige Monate verschiebt, kann mit seinem alten Auto ungehindert weiter fahren.