DIE ZEIT

Was Kohl hätte sagen müssen

"So soll er den lebendigen Bock herzubringen und bekennen auf ihn all ihre Übertretung in all ihren Sünden und soll sie dem Bock auf das Haupt legen und ihn in die Wüste laufen lassen, daß also der Bock all ihre Missetat auf sich in eine Wildnis trage.

Mord an der Weichsel

Tocquevilles Wort, "daß die Historie eine Gemäldegalerie ist, in der es wenig Originale und viele Kopien gibt", hat für Polen einen frivolen Beigeschmack.

Kann Hilfe helfen?

Schockierende Fernsehaufnahmen aus den äthiopischen Hungergebieten haben überall in Europa Hilfsbereitschaft ausgelöst. Viele Menschen finden nach den entsetzlichen Bildern nicht in den gewohnten Alltag zurück.

Worte der Woche

"Wirklich ein Skandal sondergleichen, daß der amtierende Bundeskanzler es wagt, Entschädigungszahlungen für Opfer der Nazi-Herrschaft zu vergleichen mit Geldern, die auf sehr dunklen Kanälen in die Kassen der Parteien gewandert sind.

Zeitspiegel

Drei Tage lang mußten jetzt die Leser der Desert News in der Mormonenstadt Salt Lake City auf die beliebte Comic-Serie "Doonesbury" verzichten, die das politische Washington auf die linksliberale Schippe nimmt.

Ein Notopfer fürs Parlament

Der unmittelbar Betroffene ist am aufrichtigsten. Begeistert zeigt sich Philipp Jenninger nicht, wenn er daran denkt, daß er vom kommenden Montag an statt im Kanzleramt auf dem Stuhl des Bundestagspräsidenten sitzen wird: Das habe ihn denn doch etwas kalt erwischt.

Was hat Kohl mit Flick zu tun?

Besorgt und nervös haben die Kanzler-Berater auch am vorigen Sonntag wieder in den Voraus-Exemplaren des Spiegel geblättert.

DAS BEBEN IN BONN: Frontbegradigung vor der Offensive

Die Union hat Rainer Barzel abgeworfen wie lästigen Ballast. In der Fraktionssitzung am Freitag reichte es gerade noch zu einer Art Pflichtverteidigung durch den Vorsitzenden Dregger – zum protokollarischen Minimum für einen Mann, der immerhin wichtige, dramatische Jahre der deutschen Politik als Fraktions- und Parteivorsitzender, dann als Kanzlerkandidat der Union mitgestaltet hatte und der nach seinem Scheitern in einem langen, mühsamen Comeback wieder den Weg nach oben gefunden hatte – in ein Ministeramt und schließlich auf den Platz des Bundestagspräsidenten.

Wolfgang Ebert: Scherz beiseite

Bevor wir uns eine kurze Pause gönnen, liegt es uns am Herzen, auf einige Leser-Klagen einzugehen. Aus einer eher linken Ecke erreichen uns Beschwerden wie: "Wie tief muß der Haß gegen die Partei Bebels und Eberts bei Ihnen sitzen, daß Sie die SPD in Ihren Kolumnen so gut wie gar nicht erwähnen und sie so gewissermaßen dem Tod des Vergessens anheimfallen lassen.

Scheidungsfolgen: Mehr Arbeit für die Juristen

Bundesjustizminister Hans Engelhard hat mit seinem – inzwischen zum Kabinettsbeschluß erhobenen – Plan zur Reform des Scheidungsfolgenrechts alle juristischen Berufsverbände gegen sich aufgebracht.

Bundesnachrichtendienst: Wann darf Bonn mitlesen?

So ganz glücklich können der Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach und Verteidigungsminister Manfred Wörner nicht sein über den Sieg, den sie vor dem Bundesverfassungsgericht gegen eine mißtrauische Rechtsstudentin davongetragen haben.

Ägyptens Präsident zu Besuch in Bonn: Kein Mann der großen Sprünge

Nicht zu Unrecht gelten die Ägypter als friedfertig, freundlich und hilfsbereit. Sie sind auch zu Witzen aufgelegt. Einer von ihnen geht so: Vor der Paßkontrolle auf dem Kairoer Flughafen sollen sich drei, ohne Papiere, durch ihr Können ausweisen – eine Bauchtänzerin, ein Sänger und der ägyptische Präsident.

Papst-Attentat: Indizien gegen die "Mitarbeiter"

Keine zweifelsfreien Beweise oder Geständnisse, nur schwerwiegende Indizien hat die italienische Staatsanwaltschaft jetzt gegen vier Türken und drei Bulgaren zusammengetragen, die vermutlich den schon verurteilten Papstattentäter Ali Agça unterstützt haben.

Raumfahrt: Wer soll das bezahlen?

Am 14. November sollte das Kabinett Kohl die Grundsatzentscheidung über die Beteiligung an der bemannten amerikanischen Raumstation fallen.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Die Grünen haben bei den Gemeinderatswahlen in Baden-Württemberg als einzige Partei Gewinne erziehlt. Sie kamen fast überall auf mehr als zehn Prozent der Stimmen.

Dynamit in der Allianz

Den achtzigsten Jahrestag der englisch-französischen Entente cordiale zu feiern, war Präsident François Mitterrand nach London gekommen.

Wahlen in Nicaragua: Alle reden vom nationalen Dialog

Was findet am kommenden Sonntag in Nicaragua statt – eine Wahl, mit der ein Staatspräsident, sein Vertreter und neunzig Mitglieder einer verfassunggebenden Versammlung bestimmt werden, ein Plebiszit, ein mehr außen- als innenpolitisch bestimmtes Spektakel oder ein demonstrativer Beweis der Sandinisten, daß sie die Macht nicht abgeben wollen? Die regierenden Revolutionssieger behaupten trotzig, es handele sich (zum ersten Mal in der Geschichte des mittelamerikanischen Staates) um freie, korrekte Wahlen.

Philippinen: Vasallentreue bis zum Mord

Der Ruf war eindeutig: "Marcos, tritt zurück!" skandierten die Zuhörer auf der Galerie im Magsaysay-Saal von Quezon City. Zehn Monate lang war der große holzgetäfelte Versammlungsraum, zwanzig Autominuten vom Zentrum der philippinischen Hauptstadt Manila entfernt, Schauplatz eines politischen Dramas gewesen, das die ganze Nation in Atem hielt.

Unruhen in Südafrika: Bei den Schwarzen wächst der Zorn

Hat hier eine Schlacht stattgefunden? Wird in diesen Straßen Krieg geführt? Überall ausgebrannte Häuser; dazwischen fahren gepanzerte Truppentransporter umher, mit Soldaten in Kampfanzügen, deren Maschinengewehre drohend auf die tristen Gebäude gerichtet sind.

Blanker Hans, kranker Hans

Von keinem übertreffen lassen" werde sich die Bundesregierung bei ihrem Engagement für die bedrohte Nordsee. Carl-Dieter Spranger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, wußte wohl, warum er im Mai den Zuhörern eines Vortrags in Brunsbüttel dieses Gelöbnis mit auf den Weg gab.

Kein Vogel soll sterben

Carl-Dieter Spranger: Unser Ziel ist, daß überhaupt kein Seevogel mehr an Ölverschmutzung stirbt. In dieser Konferenz sitzen die Anrainerstaaten erstmals zusammen, um gemeinsam politische Entscheidungen für gemeinsame und konkrete Schutzmaßnahmen zu beraten.

Rußlandfeldzug: Noch immer Gegenwart

Der sogenannte Rußlandfeldzug mit seinen "Kesseln" und "Durchbrüchen" und Stalingrad und so weiter, das hockt heute noch hinter der Ostpolitik.

SPD ehrt CDU: Röder statt Hindenburg

Die Geste war nobel, wer will es bestreiten. Der Saarbrücker Oberbürgermeister läßt eine Straße nach dem 1979 so plötzlich gestorbenen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder umbenennen.

Wählerdaten: Gericht stoppt Weitergabe

Für den Rechtsanwalt Hajo Ehrig ist "die wichtigste Entscheidung auf dem Gebiet des Datenschutzes seit dem Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts" gefallen.

Ende der Liberalität?

Berlin ist eine Stadt, die es liebt, sich als weltoffen und liberal darzustellen. Gepflegt wird dieses schöne Bild nicht zuletzt von den Berliner Zeitungen und Sendern.

Kohls frohe Menschen

Am vergangenen Samstag ging in Berlin zum fünften Male ein Kanzlerfest über die Bühne. Schauplatz: die Deutsche Oper. Gesamtleitung: Professor Götz Friedrich.

Einfach überhören

Der Vergleich mit einem Boxkampf drängt sich geradezu auf: Nachdem den beiden Tarifvertragsparteien während des wochenlangen Arbeitskampfes kein K.

Zwei in einem Bett

Es sah so aus, als würden ausgerechnet die schwächsten Unternehmen der Stahlindustrie den Weg in eine ungewisse Zukunft allein weitergehen.

Zahnärzte: Nebel

Was die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung soeben vorgeschlagen hat, klingt gut: Sie verlangt eine höhere Eigenbeteiligung für den Zahnersatz, vor allem für solchen, der über die Grundversorgung hinausgeht, für Luxus und Ästhetik im Mund also.

Wohlfahrtsstaat: Lob von drüben

Die Amerikaner werden den Europäern häufig als Beispiel hingestellt, ihre Flexibilität und Dynamik hoch gepriesen. Daß ein amerikanisch-europäischer Vergleich zugunsten der Alten Welt ausgeht, passiert seltener.

Bonner Kulisse

Das Gedächtnis von Otto Graf Lambsdorff, ehemaliger Wirtschaftsminister und derzeitiger Wirtschaftssprecher der FDP-Fraktion, läßt nach.

Inflationsrate: Steigt wieder

Die Freude über die praktische Preisniveaustabilität war kurz. Noch im September waren die Verbraucherpreise nur um 1,5 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres gestiegen.

Unterhaltungselektronik: Ein starker Auftritt

Alain Gomez, Chef des staatseigenen französischen Elektrokonzerns Thomson-Brandt, ist der Geduldsfaden gerissen: Um bei der im März vergangenen Jahres von AEG übernommenen Telefunken Fernseh- und Radio GmbH in Hannover endlich ungestört durchgreifen zu können, ordnete er den Rausschmiß gleich des gesamten deutschen Vorstandes an.

Privatfernsehen: Canal plus startet im Minus

Am 4. November, acht Uhr morgens, ist es soweit. Nach der einstündigen Eröffnungssendung werden gleich die kleinen Zuschauer verwöhnt, die zwar schon längst auf den Knopf drücken, aber noch nicht recht lesen können: Trickfilme stehen auf dem Programm.

Börsen-Report: Störungen

In den letzten Tagen haben sich die deutschen Aktienkurse wieder deutlich von ihrem bisherigen Nachkriegsgipfel entfernt. Das hat weniger wirtschaftliche als vielmehr politische Ursachen, wenn auch einige Börsianer gewisse Passagen im Herbstgutachten der fünf wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute für den eingetretenen Rückschlag verantwortlich machen.

Alternativen anbieten

Hüttenrauch: Es geht natürlich vor allen Dingen um die Haushaltschemikalien, also vor allem um Wasch- und Reinigungsmittel; jedenfalls, wenn man an den Gewässerschutz denkt.

ZEITRAFFER

In diesem Jahr wird es voraussichtlich einen neuen Pleiterekord geben. Die Frankfurter Wirtschaftsauskunftei Schimmelpfennig rechnet mit rund 16 500 Konkursen und Vergleichen.

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