DIE ZEIT: Wird nun, nach der Bremer "Internationalen Nordseeschutz-Konferenz", auch nur ein Seevogel weniger an Öl verenden?

Carl-Dieter Spranger: Unser Ziel ist, daß überhaupt kein Seevogel mehr an Ölverschmutzung stirbt. In dieser Konferenz sitzen die Anrainerstaaten erstmals zusammen, um gemeinsam politische Entscheidungen für gemeinsame und konkrete Schutzmaßnahmen zu beraten. Das ist ein ganz entscheidender Fortschritt.

ZEIT: Was soll konkret unternommen werden?

Spranger: Die Verschmutzung von Land, also über Flüsse und Küstengewässer, soll über bisherige Regelungen hinaus reduziert werden. Ebenso der Schadstoffeintrag über die Atmosphäre. Schädliche Abfälle sollen kontrolliert an Land und nicht in der Nordsee beseitigt werden. Die Verringerung der Verschmutzung durch Öl und Müll ist ein weiterer wichtiger Punkt...

ZEIT: ... keine Sofortmaßnahmen?

Spranger: Schon von 1982 an sind von der Bundesregierung nationale Sofortmaßnahmen getroffen worden zur Verbesserung der Kontrolle und Ermittlung von Ölsündern. Wir haben den Bundesgrenzschutz massiv zum Einsatz gebracht, der in diesen Jahren einen enormen Zuwachs der Ermittlungsquote verzeichnen konnte. Hier liegt es vor allem auch an den Gerichten, für eine abschreckende Wirkung gegenüber Ölsündern zu sorgen. Wir haben zum Beispiel mit der Novellierung des Abwasserabgaben-Gesetzes und des Wasserhaushaltsgesetzes Maßnahmen auf den Weg gebracht. Vor allem haben wir aber der Verklappung von Chemiemüll ein zeitliches Ende gesetzt.

ZEIT: Die Bundesregierung fordert, daß die Nordsee zum "Sondergebiet" erklärt wird. Ein Anlauf zu einem weiteren schönen, aber nicht zu verwirklichenden Abkommen?