Warum die Lufthansa die traditionsreiche Kempinski-Gruppe übernehmen will

Von Heinz Michaels

Der Zufall fügte es, daß Karl Theodor Walterspiel gerade Chef des Hamburger Atlantic Hotels und Vorstandsmitglied der Kempinski AG geworden war, als 1970 das Münchner Hotel Vier Jahreszeiten zum Verkauf stand. Walterspiel war dort im fünften Stock aufgewachsen, und es waren sein Vater und sein Onkel, die das Haus in der Maximilianstraße – just einen Steinwurf von Oper, Schauspiel und Residenz entfernt –, zu einer ersten Adresse in der bayerischen Metropole gemacht haben.

Welche Rolle derartige familiär-emotionale Gründe bei der Entscheidung des Kempinski-Vorstands gespielt haben, das Vier Jahreszeiten zu erwerben, sei dahingestellt. Unternehmensentscheidungen werden nun einmal nicht nur nach Computerausdrucken gefällt. Aber das Haus paßte auch einfach in das Konzept der Gruppe: Luxushotels in den Wirtschaftszentren der Bundesrepublik zu betreiben.

Der Zufall fügte es auch, daß der Mann, der nun Hausherr in dem "weißen Schloß" an der Hamburger Außenalster und in den anderen drei Hotels der Gruppe werden möchte, ein Hanseat ist: Heinz Ruhnau, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa. Mit der Lufthansa ist die Kempinski-Gruppe bereits als Mitgesellschafter beim Kauf des Hotels Vier Jahreszeiten (Banken und die Intercontinental-Hotelkette halten weitere Anteile) zusammengekommen. Und daraus hat sich eine für beide Seiten ersprießliche Kooperation in einem Marketing- und Verkaufsförderungsvertrag ergeben, so daß man heute überall auf der Welt zusammen mit seinem Lufthansaflug auch gleich das Bett in Kempinski buchen kann. Da nimmt es denn auch nicht Wunder, daß das Kempinski-Management am liebsten die Lufthansa als neuen Hausherrn sehen würde – wenn es denn schon sein muß.

Der Zufall fügte es weiter, daß auch der zweite Bewerber um die Gunst der schönen Hamburgerin und ihrer drei Schwestern mit Elbewasser getauft ist. Bernd Chorengel, Präsident der amerikanischen Hyatt-Hotelkette, ist in Stade an der Unterelbe aufgewachsen. Er würde gerne die Hyatt-Flagge an der Alster hissen.

Die Kempinski AG mit ihren vier Hotels – Bristol in Berlin, Atlantic in Hamburg, Gravenbruch bei Frankfurt, Vier Jahreszeiten in München – steht also, verkürzt gesagt, zum Verkauf. Jedenfalls wollen sich die Großaktionäre Dresdner Bank und Commerzbank von dem größten Teil ihres Aktienpakets (80 Prozent) trennen und dem Käufer die Mehrheit bei dem Unternehmen einräumen.