Die Amerikaner werden den Europäern häufig als Beispiel hingestellt, ihre Flexibilität und Dynamik hoch gepriesen. Daß ein amerikanisch-europäischer Vergleich zugunsten der Alten Welt ausgeht, passiert seltener.

Deshalb ist das Lob erwähnenswert, das ein Stipendiat der Deutschen Marshall-Stiftung der Vereinigten Staaten dem europäischen Wohlfahrtsstaat zollt. Er untersuchte, wie die Regierungen in europäischen Ländern trotz Haushalts- und Finanzkrisen einer weiteren Erosion des Wohlfahrtsstaates entgegenwirken. Sein Ergebnis: Das soziale System funktionierte bei fünfprozentigem Wachstum, ist aber in der langanhaltenden Stagnation nicht finanzierbar. Dann registriert er die unterschiedlichen Bemühungen, die Ausgabenflut einzudämmen – von Dänemark über Holland, Schweden, Großbritannien, die Bundesrepublik bis zur schärfsten Sparpolitik des sozialistischen Frankreich. Und er findet es richtig, daß keine Regierung das Prinzip der Umverteilung geopfert hat, sondern alle mit bescheidenen Einschnitten in soziale Leistungen oder mit kleinen Gebühren gegen die leeren Kassen angekämpft haben. Soziale Programme für die Armen allein, meint er, hätten vielleichter gekürzt werden können.

Das europäische System des Wohlfahrtsstaates imponiert einem Besucher aus Amerika wegen seiner Humanität. Das tut den Europäern sicher gut, die in diesen Tagen den Eindruck haben müssen, sie hätten alles falsch gemacht. lt