"Im Mai hörte man aus den Reisebüros von Flensburg bis Passau noch Heulen und Zänneklappern, weil so wenige Buchungen kamen", kommentiert Karl Maute, Pressesprecher des zweitgrößten deutschen Reiseveranstalters NUR-Touristik den Anfang der diesjährigen Sommersaison.

Inzwischen sieht die Lage ganz anders aus: Trotz der streikenden Arbeitnehmer in Metall- und Druckindustrie, die sich mit der Urlaubsplanung zunächst zurückhielten, kamen in diesem Sommer weit mehr Touristen als 1983 zu den Reisebüros. Die Manager der großen Touristikunternehmen, die in diesen Wochen ihre Bilanzen machen, können sich zufrieden die Hände reiben.

Die Agenten der Deutschen Reisebüro GmbH (DER) verzeichneten in den ersten neun Monaten dieses Jahres knapp fünf Prozent mehr Kunden als im selben Zeitraum 1983. Bei den Pauschalreisen, die DER selbst organisiert, gab es bis September sogar Spitzenergebnisse: 13 Prozent mehr Kunden und rund zehn Prozent mehr Umsatz als 1983, schätzt DER-Sprecher Gerd Leidinger.

Auch Hubert Geppert vom größten deutschen Reiseunternehmen TUI, das jedes Jahr rund zwei Millionen Urlauber bedient, freut sich über die Umsätze: "Besonders der Juli hat alles übertroffen, was wir aus der Vergangenheit kannten." TUI registrierte ebenfalls einen Teilnehmerzuwachs und ein leichtes Plus bei den Einnahmen. Selbst der Deutschlandurlaub war wieder gefragt – eine Beobachtung, die auch die Manager der Kaufhof-Tochter ITS machten, die von Köln aus Reisen für Kaufhof, Hertie und den ADAC sowie die Prima- und Glücks Reisen organisiert. ITS dürfte in diesem Jahr einen Kundenzuwachs von rund zwei Prozent haben.

Trotz allem – eine Entwicklung trübt die Laune der Touristikveranstalter: Die meisten von ihnen haben sich nämlich dieses Mal bei den Angeboten für das Haupturlaubsland Spanien verkalkuliert, und das schmälert die Gewinne. Der Kurs der Pesete stieg wider Erwarten, und als es ans Zahlen der Hotels auf Mallorca und an der Costa Brava ging, wurde die Rechnung für die Veranstalter teuer. Bei denen, die ihre Billigangebote besonders knapp kalkuliert hatten, blieb von der Gewinnspanne nicht mehr viel übrig. Die Karstadt-Tochter NUR zumindest wird deshalb in diesem Jahr wahrscheinlich – trotz eines Teilnehmerplus – nochmals einen Verlust verbuchen. Der zuständige Karstadt-Vorstand Karl Laschet müßte dann seinen Kollegen schon im fünften Jahr hintereinander rote Zahlen präsentieren.

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