Bundesjustizminister Hans Engelhard hat mit seinem – inzwischen zum Kabinettsbeschluß erhobenen – Plan zur Reform des Scheidungsfolgenrechts alle juristischen Berufsverbände gegen sich aufgebracht. Weshalb eigentlich? Die organisierten Anwälte und Richter klagen, der Entwurf führe auf dem Umweg über Unterhalts- und Versorgungsregelungen vom endlich erreichten "Zerrüttungsprinzip" wieder zurück zum alten "Verschuldensprinzip". In Zukunft müsse deshalb in Ehescheidungs-Prozessen aufs neue schmutzige Wäsche gewaschen werden, was doch mit der Reform aus dem Jahre 1977 gerade habe vermieden werden sollen.

Die Prophezeiung wird sich im Kern als richtig erweisen. Doch ist damit noch nichts gegen die guten Gründe des Engelhardschen Entwurfes gesagt.

In der Scheidungspraxis seit 1977 hat sich immer wieder – überwiegend zu Lasten der Frauen – gezeigt, daß die Nichtberücksichtigung von Recht und Unrecht bei den Scheidungsfolgen zu unerträglichen Härten für den schwächeren Partner führen kann. Soll wirklich derjenige, der während bestehender Ehe den Familienunterhalt durch Faulheit oder Trunksucht gefährdet hat, nach der Scheidung vom Partner noch eine lebenslange Rente verlangen dürfen? Steht der Frau, die während einer kurzen, kinderlosen Ehe weniger verdiente als ihr Mann, auf Lebenszeit eine "Aufstockung" des Unterhalts nach Maßgabe des Einkommens ihres einstigen Ehepartners zu?

Viele der Ungereimtheiten des auf die Scheidungsfolgen durchschlagenden "Zerrüttungsprinzips" haben die Gerichte mittlerweile aus eigener Einsicht bereinigt; aber sie können es nicht in allen Fällen.

Deshalb ist die Reform der Reform geboten. Den mit Scheidungsverfahren befaßten Juristen wird damit freilich mehr Arbeit für das gleiche Geld aufgebürdet werden. Möglicherweise liegt hier der Stein ihres Anstoßes. sch.