Auf die Abwertung des Neuseeland-Dollars hat das Hotelgewerbe des pazifischen Inselstaats mit einer Preisspaltung reagiert: Ausländer zahlen mehr als Einheimische. Das hat zu Verärgerung im internationalen Tourismus geführt.

Um 41 Prozent haben die Sheraton Hotels in Auckland und Rotorua, den touristischen Zentren auf Neuseelands Nordinsel, ihre Übernachtungspreise angehoben – aber nur für Gäste, die ihre Betten bereits im Ausland gebucht haben. Wer vor Ort ein Zimmer mietet, zahlt lediglich den entsprechend niedrigeren Inlandstarif. Das meldete jetzt die in Wellington erscheinende Zeitung The Dominion. Die Hotelgruppe Travelodge und sogar die staatseigene Kette Tourist Hotel Corporation haben sich der Praxis gespaltener Preise angeschlossen.

Hintergrund dieser Entscheidung sind der Regierungswechsel in Neuseeland und die wirtschaftliche schwache Lage des Staates. Die bisherige Regierung unter dem konservativen Robert Muldoon hatte einen Lohn- und Preisstopp durchgesetzt und den neuseeländischen Dollar (NZ-Dollar) künstlich hochgehalten. Als vor einigen Wochen die Labour-Regierung unter David Lange ihr Amt antrat, wertete sie unverzüglich den NZ-Dollar um 20 Prozent ab (jetziger Stand 1,70 Mark). Der Lohn- und Preisstopp blieb aber noch bestehen.

In dieser Situation profitieren ausländische Gäste nicht nur von der Abwertung, sondern auch von den zementierten Preisen in den Hotels. Das gilt besonders für Besucher aus den USA, die beispielsweise für ein Zimmer der Luxuskategorie in Rotorua statt 46 NZ-Dollar nur 23 US-Dollar zahlen. Da die Preise im Landesinneren nicht erhöht werden dürfen, steigerten die Hoteliers deshalb ihre Preise im Ausland.

Die Aktion droht nun, Neuseelands Ruf als "freundliches Touristenland" zu ramponieren und das mühsam aufgepäppelte Geschäft ausländischer Reiseveranstalter nachhaltig zu schädigen.

Clevere Touristen buchen nun keine Unterkunft mehr im voraus, weil sie wissen, daß sie in Neuseeland ihre Zimmer wesentlich billiger bekommen – wenn sie welche bekommen. Da die Neuseeländer sehr viel reisen, sind die Hotels oft belegt. Die Touristen stehen auf der Straße. "Auch das ist unserem Bild nicht zuträglich", kommentiert Brian Duncan, der Direktor des neuseeländischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt.

Sollte sich das Zwei-Preis-System längerfristig etablieren, wäre das nach Duncans Ansicht "eine Katastrophe". Das zeichnete sich bereits jetzt, bei einer Werbereise neuseeländischer Touristikexperten durch Europa, ab. Hiesige Reiseveranstalter wiesen deutlich darauf hin, daß sie kaum Touren nach Neuseeland verkaufen könnten, wenn sich herumspräche, daß man auf den Inseln alles viel billiger haben könne. Aber auch die Unternehmen in Neuseeland, die sich um einreisende Touristen kümmern, haben gegen die Preispolitik der Hotels bereits protestiert.