Keine zweifelsfreien Beweise oder Geständnisse, nur schwerwiegende Indizien hat die italienische Staatsanwaltschaft jetzt gegen vier Türken und drei Bulgaren zusammengetragen, die vermutlich den schon verurteilten Papstattentäter Ali Agça unterstützt haben.

Daß Agfa nicht allein, sondern zusammen mit einem zweiten (spurlos verschwundenen) Türken namens Oral Celik am 13. Mai 1981 auf Johannes Paul II. geschossen hat und weitere türkische und bulgarische Helfershelfer hatte, ist ziemlich gewiß. Und zwar nicht nur durch die Aussagen von Agça selbst; diese erwiesen sich zum Teil als rein erfunden, zum andern Teil aber als richtig.

Auch die mit der Unterstützung der bulgarischen Behörden gesicherten Fakten weisen auf das hin, was die römische Staatsanwaltschaft als "internationales Komplott" bezeichnet – freilich ohne feststellen zu können, woher und aus welchem Motiv der Auftrag zum Attentat kam. Eben deshalb erhofft sich Staatsanwalt Martella erst von dem Prozeß, der Anfang 1985 stattfinden soll, eine "Klärung der Tatsachen, die einen eventuellen Schuldspruch rechtfertigt".

Zu den weitgehend gesicherten Fakten gehört, daß der Türke Celebi, der aus der Bundesrepublik nach Italien ausgeliefert wurde und "Mitarbeiter" Agças war, wie auch sein Landsmann Celenk, der bis heute in Sofia unter Hausarrest lebt und Agça drei Millionen Mark für das Attentat gezahlt haben soll, beide in den Drogen- und Waffenhandelsverkehr durch Bulgarien verstrickt waren.

Daß der bulgarische Luftlinienfunktionär Antonoff (in Hausarrest in Rom) und die bulgarischen Diplomaten Ajvazoff und Vassilieff (damals in Rom, heute in Sofia) den Türken Ali Agça kannten – dies, doch nicht mehr ist durch eindeutige Indizien erwiesen. Für Agças Behauptung, daß ihm diese Bulgaren bei der Attentatsvorbereitung und Durchführung behilflich waren, fand sich keinerlei Beweiselement.

Um so merkwürdiger wirkt die amtliche Empörung Sofias über den bevorstehenden Prozeß, der durchaus auch mit Freisprüchen mangels Beweisen enden könnte. Oder verbirgt sich etwa die Wahrheit in Bulgarien dort, wo sie jetzt in Polen (bei der mörderischen Aktion gegen den Priester Jerzy Popieluszko) zum Vorschein kam: in einem Sicherheits- und Geheimdienst, wo die Generale ihrer fanatischen oder auch korrupten Untergebenen nicht sicher sein können? Der Dilettantismus beim Papstattentat und die mutmaßlichen, politisch keineswegs berechenbaren Folgen im Falle eines Gelingens weisen in eine solche Richtung.

Hansjakob Stehle (Rom)