Werden sich die Europäer an der amerikanischen bemannten Raumstation beteiligen? Die Bonner Entscheidung läßt auf sich warten.

Am 14. November sollte das Kabinett Kohl die Grundsatzentscheidung über die Beteiligung an der bemannten amerikanischen Raumstation fallen. Etatprobleme und die ungewisse amerikanische Technologietransfer-Politik erzwingen eine erneute Verschiebung.

Das Thema "Raumstation" stand beim deutsch-französischen Gipfel Anfang der Woche auf dem Programm (um allerdings sofort vertagt zu werden). Und es wird beim anstehenden Treffen des Kanzlers mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher eine Rolle spielen. Die prinzipielle Bereitschaft der Regierungschefs, am Glamour der bemannten Raumfahrt teilzuhaben, wird freilich von innen- und außenpolitischen Ungewißheiten überschattet.

Das Angebot zur Mitarbeit an der für 1992 geplanten, mindestens acht Milliarden Dollar teuren US-Raumstation sieht eine rund zwanzigprozentige Beteiligung der Europäer vor. Auf jeden Fall wollen die in der Pariser Raumfahrtagentur ESA zusammengeschlossenen Staaten einen Vertrag mit den Amerikanern aushandeln, der ihnen einen freien Zugang zur Station und mehr als nur technologische Almosen bei deren Bau und Unterhalt gewährt. Angesichts der wachsenden amerikanischen Restriktionen bei der Weitergabe von ökonomisch und strategisch wichtigem know-how ("Technologietransfer") müssen die europäischen Partner bei Verhandlungen schon mit einer Stimme sprechen, wenn sie ein günstigeres Ergebnis als beim verunglückten Spacelab-Vertrag von 1973 erreichen wollen.

Dazu kommen in der Bundesrepublik schwierige Etatverhandlungen. Die Kosten für eine europäische Beteiligung an der amerikanischen Raumstation sowie die damit politisch verkoppelte Weiterentwicklung der europäischen "Ariane"-Raketen würden allein den Bonner Haushalt mit zusätzlich’ vier Milliarden Mark belasten – ein hoher Preis für Projekte, deren wissenschaftlicher und technischer Nutzen von vielen Forschern bezweifelt wird. Forschungsminister Heinz Riesenhuber wehrt sich denn auch mit dem Hinweis auf die politische Dimension, vor allem der Beteiligung an der US-Raumstation, gegen eine Finanzierung des hochfliegenden Vorhabens aus dem normalen Etat seines Ministeriums.

Letzte Woche sperrte der Haushaltsausschuß des Bundestages erst, einmal 55 Millionen Mark, die im Forschungsetat für 1985 zur Vorbereitung der Raumfahrtprogramme vorgesehen waren. Insgesamt würde allein die Vorbereitungsphase 232 Millionen Mark kosten. Finanzminister Gerhard Stoltenberg müßte für 1986 zusätzlich rund 190 Millionen Mark lockermachen – woher die kommen sollen, darüber wird noch gestritten. Im Bonner Forschungsministerium soll allerdings an Notplänen gearbeitet werden.

Würde dies eintreffen, dann befürchten gerade die mit Raumfahrt befaßten Naturwissenschaftler harte Zeiten. Denn die bemannte Raumstation würde nicht nur Geld von anderen Programmen abziehen: Sie ist für viele Experimente nicht oder nur bedingt tauglich. Am Freitag letzter Woche machten besorgte Forscher aus Amerika und Europa deshalb einen Gegenvorschlag. Mit dem Geld für die bemannte Raumstation, so lautet das Konzept der amerikanischen National Academy of Sciences und der European Science Foundation, sollten die atlantischen Partner eine technische und wissenschaftlich höchst anspruchsvolle, aber unbemannte Sonde zu einem kleinen Kometen namens "Kopff" senden, dort mit einem Spezialfahrzeug landen und mit Kometen-Materie zur Erde zurückkehren.