Saarbrücken

Die Geste war nobel, wer will es bestreiten. Der Saarbrücker Oberbürgermeister läßt eine Straße nach dem 1979 so plötzlich gestorbenen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder umbenennen. Für einen solchen Akt die richtige Straße: entlang des Landtages und am Fuße der Schloßmauer, Ministerien liegen auch an der Straße, und auf der anderen Seite fließt unten die Saar, man kennt das Bild von Fernseh-Umschaltungen nach Saarbrücken. Eigentlich naheliegend, zeitgeschichtlich gesehen, diese Straße nach einem Mann zu benennen, der als Ministerpräsident zwanzig Jahre lang viel für das Land an der Saar getan hat. Vorher hieß sie Hindenburgstraße.

Nur: Die Idee hatte ausgerechnet Oskar Lafontaine, der auch Landesvorsitzender der SPD, und nicht, wie man meinen sollte, jemand aus den Reihen der CDU, deren Vorsitzender lange Jahre Röder war. Lafontaine fand denn auch bewegte Worte bei der Feierstunde im Landtag für die Leistungen von Franz Josef Röder, der über die Grenzen des Saarlandes hinaus auch viel für die Verständigung mit anderen Völkern, vor allem Frankreich, getan habe.

Persönlich verdanke er, Lafontaine, ihm die Erfahrung des Umgangs mit dem politischen Gegner in gegenseitigem Respekt. Die Betonung war klar, der Seitenhieb auf den derzeitigen Ministerpräsidenten Werner Zeyer (CDU) dezent. Kaum einer der feierlich gedeckt gekleideten "Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens" schmunzelte, und wenn, dann nur die SPD-Repräsentanten. Denn das weiß man: So fair der Umgang der Politiker Röder – Lafontaine miteinander war, so gespannt ist das Verhältnis Zeyer – Lafontaine.

Im Saarland ist schließlich Wahlkampf. Am 10. März geht es ums Ganze, versichern gewichtig und richtig alle Parteien, und nach den Erfolgen der saarländischen SPD bei den letzten Wahlen ist man im traditionell konservativ regierten Saarland nicht mehr so sicher. Viel zu gewinnen gibt es ohnehin nicht. Die Wirtschaft ist durch die Stahlkrise empfindlich angeschlagen, und wie der Stahlkonzern ARBED trotz der Unterstützungsmillionen der letzten Jahre je in schwarze Zahlen kommen soll, steht in den Sternen. 15 000 Arbeitsplätze sind direkt betroffen, doch insgesamt hängt jeder vierte Arbeitsplatz im Saarland von der eisenschaffenden Industrie ab. Wohin der Kurs künftig gehen soll, darüber scheiden sich die saarländischen Geister. Die einen jedenfalls warnen massiv vor einem "rot-grünen Untergangs-Bündnis", während die anderen ebenso massiv die Ablösung "dieser unfähigen Regierung" fordern.

Von solchen Tönen war in der Feierstunde zur Straßenumbenennung natürlich nichts zu hören. Freundlich ging man miteinander um, einträchtig wurden die Verdienste des unbestritten erfolgreichen Ministerpräsidenten Röder gewürdigt. Magdalene Röder war dabei, als das erste Straßenschild zu Ehren ihres Mannes enthüllt wurde, auch mehrere frühere und derzeitige Minister des CDU/FDP-Kabinetts, doch der Landesvater fehlte.

Ob er der Erinnerung an seinen populären Vorgänger oder doch eher seinem möglichen Nachfolger aus dem Weg gehen wollte: Darüber wurde beim anschließenden Glas Elbling trocken reichlich spekuliert. Und wo war er? Antwort aus der Staatskanzlei: bei einer Kabinettsitzung. Wie jeden Dienstagmorgen tage das Kabinett. Als ob Herr Lafontaine das nicht wüßte!

Christel Szymanski