Bevor wir uns eine kurze Pause gönnen, liegt es uns am Herzen, auf einige Leser-Klagen einzugehen. Aus einer eher linken Ecke erreichen uns Beschwerden wie: "Wie tief muß der Haß gegen die Partei Bebels und Eberts bei Ihnen sitzen, daß Sie die SPD in Ihren Kolumnen so gut wie gar nicht erwähnen und sie so gewissermaßen dem Tod des Vergessens anheimfallen lassen. Schämen Sie sich!" (Altes SPD-Mitglied) Aus einer eher konservativen Ecke erreicht uns dieser Tadel: "Seit Wochen hacken Sie auf der Koalition herum, die es Ihnen einfach nicht recht machen kann. Gibt es denn wirklich nichts Komischeres als Kohl?" (Alt-CDU-Mitglied Jupp B.)

Ehrlich gesagt: Nein, lieber Jupp B. Aber darüber gleich mehr.

Schon aus Fairneß ziehen wir es vor, die in Bonn aufs Korn zu nehmen, die an der Macht sind, und die zu schonen, die mehr oder weniger zur Ohnmacht verurteilt sind. Aber das allein ist es nicht. Es hat auch mit dieser Koalition zu tun. Und die bietet viel, fast zuviel. Sie ist streckenweise sehr originell, einfallsreich und komisch. Für diese Kolumne geradezu ein Geschenk des Himmels.

Der Opposition kann man nachsagen, was man will – komisch ist sie nicht gerade, hat ja selber nicht viel zu lachen.

Daß wir der Koalition immer neue Lachreize verdanken, dafür sorgt vor allem ihr Seniorpartner, die Union. Als diese Regierung an die Macht kam, um endlich die Wende herbeizuführen – wer hat da eben gelacht? – war nicht sofort zu erkennen, welch komisches Potential in ihr steckt und was sie alles anstellen würde, um uns zu ergötzen. Dafür sorgte schon, wie es sich gehört, der Kanzler, dessen Beiträge zur Sprachkultur schon allein genügten, um die Erinnerung an unseren seligen Lübke wachzurufen.

Diese Koalition braucht gar nichts zu tun – darin liegt ja ihre eigentliche Stärke –, um Lachsalven auszulösen. Ihr Erscheinungsbild genügt.

Was macht unsere Regierung so komisch? Etwa das liebenswertkonfuse Hühnerhof-Durcheinander, wenn mal irgendwo der Blitz eingeschlagen hat? Oder diese gelegentlichen Reformvorstöße Recht, Soziales, Sicherheit, Steuern – in irgendeine Richtung, die sich dann in schöner Regelmäßigkeit in einem Bonner Gehege verheddern? Oder der immer wieder aufflackernde Dauerzwist FDP-CSU?