In den letzten Tagen haben sich die deutschen Aktienkurse wieder deutlich von ihrem bisherigen Nachkriegsgipfel entfernt. Das hat weniger wirtschaftliche als vielmehr politische Ursachen, wenn auch einige Börsianer gewisse Passagen im Herbstgutachten der fünf wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute für den eingetretenen Rückschlag verantwortlich machen.

Besorgt über etwaige negative Auswirkungen der Bonner Flick-Affäre im Ausland haben sich die Haussiers von einem Teil der in jüngster Zeit kräftig angereicherten Aktienbestände getrennt. Da auf der anderen Seite die Käufer fehlten, konnten in manchen Papieren Kurseinbrüche nicht ausbleiben. Bemerkenswert ist, daß sich unter den Verkäufern bisher nur wenige Ausländer befanden. Aber als Käufer sind sie fast völlig ausgefallen.

Gestört hat in den vergangenen Tagen ferner die Entwicklung der Zinsen. Am deutschen Rentenmarkt hat es empfindliche Rückschläge gegeben, die nicht allein auf die wieder undurchsichtig gewordene Lage am Bondsmarkt der USA zurückzuführen sind. Sie müssen auch als Reaktion auf das ungewöhnliche Tempo der vorangegangenen Zinssenkung in der Bundesrepublik zurückgeführt werden. Die hohen Kurse luden geradezu ein, auch einmal Gewinne in die Scheuer zu fahren.

Die deutlich gestiegenen Renditen haben die jüngste 7 1/4 prozentige Bahn-Anleihe praktisch aus dem Markt geworfen. Sie läßt sich zur Zeit weder im In- noch im Ausland unterbringen. Die Renditen für 10jährige Emissionen sind schon wieder über 7,50 Prozent hinaus geklettert.

Von der Zinsseite sind vorerst für den deutschen Aktienmarkt keine Anregungen mehr zu erwarten. Damit ist auch dem Anstieg der Bank-Aktien ein vorläufiges Ende gesetzt. Ebenso den Renditeaktien wie BASF, Bayer und Hoechst.

K. W.