Manches erledigt sich gleichsam von selber.

Rotation: Die Grünen haben nach wie vor viele Anhänger und wenige Mitglieder. Sie müssen so viele Mandatsträger stellen, daß mancherorts kein Ersatz mehr für die eingespielten Parlamentarier da ist. Im übrigen kann nicht zum Verzicht gezwungen werden, wer nicht freiwillig sein Mandat abgibt.

Professionalität: Im großen und ganzen gelten grüne Politiker als emsig, lernwillig und von dem Motiv beseelt, besser sein zu müssen als ihre Konkurrenz. Überdies gelingt es ihnen, neue Talente anzuziehen. Das wird zum Problem, wo Begabung und Professionalität wie im Fall Otto Schilys zusammenkommen.

Struktur Die Grünen bestehen im Grunde aus vielen einzelnen Fraktionen auf vielen politischen Ebenen. Jede einzelne Fraktion bestimmt mehr oder weniger über sich selber, weil die Partei als Zentrale und Apparat gar nicht existiert. Es gibt zwar Parteisprecher, doch sie schweben frei im Raum. Vielfalt ist die Stärke der Grünen. Improvisation ihre besondere Kunst. Ein sarkastischer Betrachter hat diese Eigenheiten auf den Nenner gebracht: Die Grünen brauchen keinen Apparat, weil sie vom Staat ausgehalten werden. Ihre Plakate und Prospekte werden in staatlichen Hochschulen von grünen Studenten auf staatlichem Papier entworfen. Termine und Organisation werden von grünen Lehrern im Dienstzimmer auf Matrize geschrieben oder per Schultelephon verbreitet. Deshalb können die Grünen all die Gelder auf die hohe Kante legen, die ihnen von Staats wegen nach den gewonnenen Wahlen zukommen.

Strömungen Das verwirrende Innenleben führt jedoch zu Orientierungsschwierigkeiten bei weniger Eingeweihten. Die Grünen müssen schon langsam sagen, wohin die Reise geht. Ihrem Charakter nach sind sie heute, da hat Heiner Geißler schon recht, eine linke Ökologenpartei. Wer ihre Entstehungsgeschichte verfolgt, kann darüber nicht erstaunt sein.

Die unbehauste Linke, von der SPD in der Nach-Brandt-Ära enttäuscht und mit allerlei Lebens- wie Parteienexperimenten böse gescheitert, fand hier endlich eine Heimstatt. Diese "Altlinken" haben Feldvorteile in den Großstädten. Sie sind weniger an Natur und Umwelt interessiert als an der Machtfrage. Sie unterscheiden sich kraft ihrer Haltung zur SPD: Die Frankfurter um Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit sind fasziniert von der Idee einer linken Mehrheit und bemühen sich eher erfolgreich, die Grünen darauf zu trimmen. Die Hamburger Rainer Trampert und Thomas Ebermann machen den "hündischen SPD-Bezug" verächtlich. Sie würden zu gerne erst die Produktionsverhältnisse ändern, wenn sie nicht überhaupt der Revolution den Vorzug geben.

Mit diesem kompromißlosen Teil der Altlinken stimmen die Gründungsgrünen um Petra Kelly aus eigenen Überlegungen überein: Keine Koalition mit niemanden. Und Rudolf Bahro ergänzt, erst einmal müsse das Bewußtsein revolutioniert werden, der Rest folge dann schon von selber.