Das objektive Problem ist das eine. Das andere ist, daß die Grünen im letzten Jahr erfolgs- und selbstbewußt geworden sind. Es bietet sich an, die Grenze weiter als vor einem Jahr zu stecken. Die SPD in Hessen kann kaum an Neuwahlen interessiert sein. Die Grünen handeln nach dem Motto: Nur wer seine Grenzen probeweise überschreitet, weiß, wo sie liegen.

Hessen wird in jedem Fall Folgen haben. Dort ist ein grünes Tabu gebrochen worden. Seitdem gilt eine differenzierte Annäherung an die SPD als zweckmäßig. Unausgesprochen fand in Wiesbaden eine Probe aufs Exempel statt. Im Saarland, wo sich ähnliche Machtverhältnisse einstellen könnten, sind nur grüne Minister, aber keine grünen Ministerialräte denkbar. Im Bundestag schließlich müßten 1987 ebenfalls grüne Minister ans Werk, falls sich die linke Mehrheit einstellen würde.

Wenn die Grünen keine eigenwillige Ausgeburt des Zeitgeistes bleiben wollen, dann können sie nicht ewig von Projektionen und von Defiziten der Konkurrenz leben. Auch Kaspar Hauser verlor bald den Charme des Absonderlichen, sein Publikum wandte sich von ihm ab und der Normalität wieder zu.