Es geht abwärts

Ein gewisser "Ropeka aus Oldenburg" hat die Montagsausgabe der Berliner tageszeitung vom 8. Oktober 1984 gelesen. "Die taz brachte es an den Tag: Es geht abwärts und zwar rapide", schrieb er nach der Lektüre erschüttert ans Blatt. Seine Begründung druckte die taz als Leserbrief, Überschrift "Hallo, Interessierte":

"300 000 FDJler demonstrierten in Berlin-Ost am Samstag, dem 35. Jahrestag der DDR, 46 000 Beckenbauer demonstrierten im Münchner Olympiastadion (jedenfalls bis zur 74. Minute) ‚Wies’n Gaudi‘, 6000 selbsternannte Ringrichter demonstrierten in der Frankfurter Festhalle am Freitagabend Boxresonanz, 5000 echte Freunde demonstrierten ebenso in Frankfurt, aber am Samstag, gegen ‚Legalisierung der Tierquälerei‘, 2000 wißbegierige Zu- und Hinhörer werden in Dortmund vom 9. bis 12. Oktober 470 Referenten ihr Interesse an der ‚Selbstprüfung der Soziologie‘ demonstrierten, 400 Gleichschrittler schließlich demonstrierten wiederum am Samstag, aber diesmal in Stuttgart, einen Marsch gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, 40 Kurden führte ihre Demonstration am Sonntag morgen in die Berliner taz-Redaktion, ein Einzelner, nämlich Octavio Paz, demonstrierte am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche für 25 000 Mark – den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, und zu schlechter letzt demonstrierte am Wochenende keiner irgendwo, irgendwann, irgendwie gegen das Pißwetter. Abschließend noch bezeichnend das Verhältnis von 12 zu 1 bei Tierfreunden zu Antirassisten und von 25 000 Mark zu 1 800 000 Mark bei Friedenspreis zu CDU-Parteispende."

Gift und Gegengift

Kaffee ist für Kinder nichts, es sei denn nach dem Genuß einer Tollkirsche. Über einen vorzeitig abgebrochenen Langzeitversuch in Niedersachsen berichtete die Hannoversche Allgemeine:

"Mehr als 30 Jahre lang hat der Leiter einer Göttinger Grundschule Kindern aus der vierten Klasse Tollkirschen zu kauen gegeben. Er wollte damit erreichen, daß die Schüler die Tollkirsche nicht mit anderen Früchten verwechseln und im Fall einer Vergiftung nicht in Panik ausbrechen. Bisher hatten die Eltern der Kinder die Versuche nie kritisiert. Doch als jetzt die Bezirksregierung in Braunschweig davon erfuhr, erging unverzüglich eine Weisung, daß derartige Versuche verboten sind.

Der Schulleiter, der kurz vor der Pensionierung steht, hatte nach eigener Darstellung zuvor jeweils eine mündliche Einverständniserklärung der Eltern eingeholt. Die Bezirksregierung teilte mit, der Lehrer habe vor den Versuchen mit den Kindern immer selbst eine Tollkirsche zerkaut, ausgespuckt und als ‚Gegengift‘ dann starken Kaffee getrunken. Gruppen von jeweils drei Kindern sollen das anschließend ebenso gemacht haben.