Oskar Werner

Seine erste Rolle, in einem Hörspiel, war Mozart. Da war Oskar Werner achtzehn. Sein erster Film, mit Paula Wessely, hieß "Der Engel mit der Posaune". Dann wurde er der berühmteste jugendliche Held seiner Zeit, neben Gérard Philipe und James Dean, die beide jung starben. Oskar Werner wurde 61 – in der vergangenen Woche ist er gestorben, und noch die Nachrichten von seinem Tod hatten etwas von einem Spuk. Ist Oskar Werner in Wien gestorben (wie der Pariser Figaro meldete), auf dem Weg zu einer Lesung (so die Süddeutsche Zeitung) oder (die wahrscheinlichste Version) in einem Hotelzimmer in Marburg an der Lahn? In den letzten Jahren war Oskar Werner nur noch eine Legende gewesen und ein Skandal, Hamlet als Hamlets Gespenst – an der Geschichte seiner Exzesse, seiner Räusche, seiner künstlerischen Debakel ergötzte sich ein großes, gieriges Publikum. Seine großen Theaterauftritte sind dahin. Dem Genie und dem Gerücht Oskar Werner nachgehen kann man nur noch im Kino, zum Beispiel in Filmen von Stanley Kramer ("Das Narrenschiff") und François Truffaut ("Jules und Jim", "Fahrenheit 451"). Oskar Werner in "Jules und Jim": ein zarter, weher, dabei doch witziger Mensch ist da zu sehen, gar nicht der strahlende Klassiker-Jüngling, der Engel mit der Posaune. Ein altes Kind, aus dem eines Tages ein kindischer Alter geworden war. Der Regisseur von "Jules und Jim", François Truffaut, hat später über seinen Film geschrieben: "Als ich Jules und Jim’ drehte, war ich noch keine dreißig Jahre alt, und ich hatte mir alle Mühe gegeben, nicht etwa einen jungen Film zu machen, sondern – ganz im Gegenteil – den Film eines alten Mannes; ob mir dies gelungen war, konnte ich nicht sagen." Es ist ihm, vor allem Oskar Werners wegen, gelungen. Frankreich, 1961. Ein Vierteljahrhundert später sind beide Jünglinge tot: Truffaut starb am 21. Oktober 1984, Oskar Werner zwei Tage später.

Bremer Theater: gerettet

Am 31. Oktober 1981 fand im Bremer Theater und vor dem Bremer Rathaus ein Schauspiel statt, das es vorher nie und seitdem nie wieder gegeben hat: Theaterleute aus der ganzen Republik demonstrierten gegen den "Bremer Theatertod", die drohende Schließung des ruhmreichen Schauspiels Bremen. Die eindrucksvolle Kundgebung rührte Bremens Stadtväter; sie beschlossen, das Schauspiel nicht sterben zu lassen, ihm ein eigenes Haus zu bauen. Jetzt, genau drei Jahre später, ist das neue Bremer Schauspielhaus fertig, und teuer war es nicht – ganze acht Millionen hat der Bau gekostet. Die Eröffnung des Hauses (auch ein Triumph für den demnächst aus dem Amt scheidenden Intendanten Wüstenhöfer) wird, sehr sinnig, in drei Teilen gefeiert. Das Bremer Schauspiel zeigt Sternheims Trilogie "Aus dem bürgerlichen Heldenleben". In der kargen Concordia beginnt man mit der "Hose", im neuen Schauspielhaus zeigt man den "Snob", und im alten Theater am Goetheplatz spielt man zum Finale "1913" – ein Weg, so das Bremer Theater, "von diffuser Enge über geliehenen Glanz zu monumentaler Untergangspracht."