Blasphemie

Drei Tage lang mußten jetzt die Leser der Desert News in der Mormonenstadt Salt Lake City auf die beliebte Comic-Serie "Doonesbury" verzichten, die das politische Washington auf die linksliberale Schippe nimmt. Die Redakteure hatten sich geweigert, den Comic abzudrucken, weil der Zeichner Garry Trudeau seine Helden hatte witzeln lassen, daß jetzt auch Gott Mitarbeiter in Reagans Wahlkampfmannschaft sei.

Haß und Hoffnung

Als 1981 Menachem Begins zornschnaubende Angriffe auf Helmut Schmidt das deutsch-israelische Verhältnis belasteten, erhielt der Jerusalemer Ministerpräsident Schützenhilfe von einem Leserbriefschreiber: "Ja, ich hasse die Deutschen immer noch", schrieb Mordechai Dessaur an die Jerusalem Post, ein Steward der El Al, der von seinem sechsten bis zu seinem neunten Lebensjahr in wechselnden Verstecken eingesperrt war – jüdisches Kinderschicksal im nazibesetzten Holland. Der Leserbrief geriet auf Umwegen in eine zehnte Klasse des Gymnasiums in Erkrath bei Düsseldorf. Die Fünfzehnjährigen verfaßten eine Replik auf Dessaurs Brief, den die israelische Zeitung abdruckte, und erhielten darauf selbst eine Menge Post aus Israel. Jetzt reisten 25 Schüler aus Erkrath, inzwischen Abiturienten, nach Israel – und trafen Mordechai Dessaur, den das Engagement der jungen Rheinländer beeindruckte. Jetzt schreibt er an seine deutschen Gesprächspartner: "Ich bin voller Bewunderung darüber, wie Ihr Euch des schmerzenden Themas angenommen habt. Möge Eure Welt schöner und lebenswerter sein als meine!"

Nassauernder Nassauer?

Auch außerhalb Deutschlands sorgen Unternehmerpersönlichkeiten dafür, daß Politiker nicht zu Sozialfällen werden. Robert Vesco, von der US-Polizei gesucht als Finanzhai mit den verschwundenen 240 Millionen des IOS-Fonds im Magen sowie als illegaler Spender für Präsident Nixons Wahlkampf 1972, soll dem Premierminister der Bahamas, Lynden U. Pindling, 100 000 Dollar im Briefumschlag kredenzt haben. Angeblich handelte es sich um eine kleine Aufmerksamkeit eines Vesco-Freundes, der nicht wegen Rauschgifthandels an die USA ausgeliefert werden wollte. Nach Ansicht der Opposition in der Hauptstadt Nassau hat der Premier auch sonst beim internationalen Drogenhandel "genassauert". Eine Untersuchungskommission stellte fest, der Politiker habe in den vergangenen Jahren das Achtfache seines Gehalts ausgegeben. Der Premier zeigte sich jedoch von Rücktrittsforderungen unbeeindruckt.

Keine Begehrlichkeit

Im Leitartikel der letzten Ausgabe wurde der SPD-Politiker Hans Apel in einen Zusammenhang mit der Spendenbeschaffungstätigkeit des verstorbenen SPD-Schatzmeisters Alfred Nau gebracht. Apel, der sich in Berlin um den Posten des Regierenden Bürgermeisters bewirbt, legt Wert auf die Feststellung, daß er nie Spenden akquiriert habe. Es lag nicht in der Absicht der ZEIT, Apel irgendwelche Unredlichkeiten zu unterstellen. Falls dieser Eindruck entstanden sein sollte, so beruht er auf einem Mißverständnis, das wir bedauern.