Die Fusion der Klöckner-Werke und der Krupp Stahl AG könnte gelingen

Es sah so aus, als würden ausgerechnet die schwächsten Unternehmen der Stahlindustrie den Weg in eine ungewisse Zukunft allein weitergehen. Denn mit der Klöckner-Werke AG und der Krupp Stahl AG, um die es hier geht, wollte niemand etwas zu tun haben. Der Thyssen-Konzern, dem die Stahlmoderatoren die Hütten von Krupp als Fusionspartner zugedacht hatten, verhandelte immerhin noch, Hoesch hingegen lehnte Gespräche mit Klöckner rundheraus ab.

Statt einer Konzentration der notleidenden Branche auf zwei Gruppen lief alles auf Alleingänge hinaus, bis Jörg A. Henle und Wilhelm Scheider, die Aufsichtsratsvorsitzenden von Klöckner-Werke und Krupp Stahl, doch noch das Kaninchen aus den Zylinder zogen: Gemeinsam mit dem australischen Rohstoff-Konzern CRA, der schon seit einiger Zeit bei Klöckner engagiert ist, wollen sie zum 1. Januar nächsten Jahres die Stahlwerke Krupp-Klöckner GmbH mit Sitz in Bochum gründen.

Zwei Kranke in einem Bett machen freilich noch keinen Gesunden. Zwar ist von Kosteneinsparungen in Höhe von gut 200 Millionen Mark jährlich die Rede – ein Traumgebilde ist das neue Unternehmen mit Werken in Bochum, Bremen, Duisburg, Osnabrück und in der Oberpfalz jedoch nicht. Der "Wegrationalisierung" ganzer Standorte werden sich nicht nur die Arbeitnehmer widersetzen, auch Interventionen der jeweiligen Landesregierungen sind programmiert.

Die Frage ist allerdings, ob ein in Zukunft erfolgreiches Stahlunternehmen überhaupt das primäre Ziel der bisherigen Eigentümer ist. Ob es für Krupp wie Klöckner nicht sehr viel mehr darum geht, eine Infektion der Stammhäuser durch die Stahltöchter zu verhindern. Dabei bestand und besteht in beiden Fällen keine rechtliche Verpflichtung, die Stahlbetriebe zu stützen. Die Fried. Krupp GmbH ist bei Krupp Stahl mit rund 70 Prozent beteiligt und nicht durch Organ-Vertrag zur Verlustübernahme gehalten. Klöckner & Co. ist den Klöckner-Werken mehr durch verschwisterte Stiftungen als durch Kapitalbeteiligung verbunden.

Aber immer war der moralische Druck spürbar. Ehe die öffentliche Hand einspringe, so wurde gesagt, seien ja wohl die betuchten Mütter an der Reihe. Und zumindest Jörg A. Henle, der Chef des Klöckner-Clans, mochte sich seiner Verpflichtung nicht ganz entziehen. Wer den Klöckner-Werken ans Leder wolle, so drohte er öffentlich, bekomme es mit dem Handelshaus Klöckner & Co. zu tun. Und Henle tat noch mehr: Seine Firma engagierte sich als Eigentümer bei der Stahlgesellschaft, sie gewährte Liquiditätshilfen, wenn die Kasse leer war.

Nicht ganz uneigennützig übrigens, denn für die Stahlfirma Klöckner & Co. ist es nicht gleichgültig, ob sie sich auf die Lieferungen eines verwandten Unternehmens stützen kann oder völlig auf Bezüge von Dritten angewiesen ist. Bei dem derzeitigen Überangebot an Stahl mag das keine so bedeutsame Rolle spielen, aber die Zeiten können sich ja auch mal ändern. Dem Konzerngründer Peter Klöckner, der mit dem Handel begann, schien der Besitz eigener Hütten immerhin wichtig. Und Günter Henle, der die Familie in der zweiten Generation repräsentierte, entschied sich nach dem letzten Krieg für den Bau eines völlig neuen Hüttenwerkes in Bremen, um seinem Handel eine eigene Stahlbasis zu sichern.