Tischlermeister Helmut K. – wenn ich mir seine Innung ansehe, gibt’s da viele wie ihn, also halbe Künstler – hatte den Abiturienten C.-G. Martens beobachtet, wie er mit seinen Händen so über Holzsorten glitt, als streichelte er weibliche Körperteile. "Holz lebt immer", bekräftigte er, "aber am besten nackt, ohne Politur und Farbe." Helmut K. hörte nur halb hin, er war doppelt so alt, und seine Augen und Hände hatten täglich mindestens zehn Stunden mit Holz zu tun. Dabei gingen ihm die Augen allerdings nie über; er blieb bei der Sache. Meister K. stellte ihn dann auch ein. Abiturienten müssen ja nur zwei Jahre lernen.

Am dritten Tag brachte Martens eine Wiege mit, die er nach dem Vorbild einer alten Bauernwiege selbst zusammengezimmert hatte. Ein Geselle hobelte noch ein bißchen daran herum, denn sie sollte schaukeln. Doch Möbel tischlerte Helmut K.’s Fünf-Mann-Betrieb nur selten, höchstens

Bücherregale für höhere Ansprüche. Manchmal wurden auch antike Stücke aufgefrischt, aber mit Kunst ist nichts zu verdienen, sagte der Chef. Das Hauptgewicht lag auf modernen Ladeneinrichtungen. Und weil überall Dachböden ausgebaut werden, mußten seine Leute manchmal sperrige Balken raus- und reinstemmen. Die waren C.-G. Martens aber zu schwer. Und Kraft durch Bier? Er ließ die Gesellen bei ihren Flaschen sitzen.

Politisch stand Martens gegen alle fünf, ohne je laut zu werden. Das überließ er ihnen. Und sie wurden immer lauter: Was dieser Azubi von ihnen alles erwartete? Sie sollten für die 30-Stunden-Woche sein und sogar gegen die Uniformen von der Post, sie sollten dem Handwerk ihre eigene Handschrift geben und sich dadurch freier fühlen und nicht nur auf zuviel gute Butter verzichten. Sogar mit Gott schien Martens auf seine Weise zu verkehren, bis der Altgeselle rief: "Der ist doch kein Weihnachtsmann."

C.-B. Martens schickte seinem Chef immer häufiger Lehrstellenbewerber mit Abitur und sagte, daß sie später alle alternativ arbeiten wollten und auf Kopfschmerztabletten und Ölheizung verzichten könnten. Sie würden den Markt umgehen, und wenn schon die Wälder kaputtgingen, sich an Holz wärmen und mehr daraus machen ...

Darüber konnten die Gesellen nur lachen. Martens lachte aber auch. Er meinte, daß man konfliktfrei leben müsse und reichte ihnen die Hand. Die drückten sie jedoch so fest, daß sich Martens auf die Lippen biß.