Von Peter Fuhrmann

Es mag an musikalischen Genies hierzulande wohl allenthalben fehlen, an offizieller Förderung gleichwohl nicht. Die systematisch ausgebauten Projekte "Bundesauswahl junger Künstler" und "Deutscher Musikwettbewerb", allen voran das ihnen vorgeschaltete Ausleseverfahren "Jugend musiziert" haben insgesamt eine prositive Bilanz, wenngleich beim soeben beendeten 33. ARD-Wettbewerb in München die Deutschen wiederum bis auf einen zweiten Preis im Fach Violine und einen dritten in der Sparte Fagott leer ausgingen. Der höhere Lorbeer wandert in der Regel ins Ausland.

Wo bleiben die vielen früher fast zu Tode subventionierten und protegierten Begabungen landauf, landab? Sind sie in der wohligen Obhut eines Orchesters oder Lehramtes untergetaucht, als Solisten verschollen? Auf der Transferliste des gehobenen deutschen Künstleraustausches sucht man ihre mit Preisen dekorierten Namen jedenfalls vergeblich. Und auf Schallplatten auch.

Dennoch tauchen neue Namen inzwischen auf:. Sabine Meyer etwa, von Karajan als "Klarinettengenie" apostrophiert und ziemlich bedenkenlos in einen heillosen Skandal verwickelt. Inmitten der stürmischen Krise, also ungeachtet der von ihr ganz unverschuldeten Auseinandersetzungen mit den Berliner Philharmonikern hatte die junge Dame Nervenstärke genug, ihre erste Schallplatte zu produzieren:

Johannes Brahms: "Klarinetten-Trio a-Moll op. 114"/Ludwig van Beethoven: "Gassenhauer-Trio B-Dur op. 11"; Sabine Meyer, Rudolf Buchbinder, Heinrich Schiff; EMI 1 C 067 1467841.

Für Kammermusikliebhaber ein Hit – unleugbar damit verknüpft: das stupende Können der aus Crailsheim in Baden-Württemberg stammenden 23jährigen Klarinettistin. Wäre sie anders, bei den vielen Wettbewerben wie beim gefürchteten Berliner Probespiel, so glanzvoll über die Runden gekommen oder im nachhinein zum Stein des Anstoßes geworden? Man prüfe einmal, mit welchem Raffinement, welchem Klanginstinkt sie im Brahms’schen Kopfsatz etwa das vom Cello geradezu königlich exponierte Hauptthema in der Quinte aufgreift und wie wundervoll sie dabei den Einzelton mit der ganzen Phrase zum Aufblühen bringt.

Ganz auf die Solokarriere ausgerichtet ist der neunzehnjährige Frank Peter Zimmermann aus Duisburg. Er musizierte bereits als Zehnjähriger mit dem Städtischen Orchester, in dem der Vater Cello spielt, Mozarts G-Dur-Violinkonzert. Auch ihm wurde – wie Anne Sophie Mutter vom Schulbesuch befreit und mit einem staatlich geborgten Spitzeninstrument versehen – erlaubt, sich ganz dem Studium der Geige zu widmen. Saschko Gawriloff (Berlin) und Herman Krebbers (Amsterdam) waren – nach erstem Unterricht bei der Mutter – seine wichtigsten Lehrer. Der erste Bundespreis bei "Jugend musiziert" eröffnete ihm schon mit elf Jahren das Tourneegeschäft, das ihn vor kurzem – mit dem Kölner Rundfunk Sinfonieorchester – auch nach Japan führte. Bei der soeben publizierten Debütplatte ist indes eine gewisse Zurückhaltung angebracht: