Von Christoph Neidhart

RUINEN. Washington Square. Er verläßt das Kino, muß es verlassen, weil um vier Uhr in der Früh der Saal für eine Stunde geräumt wird. Er steht auf der noch immer erleuchteten, jetzt fast leeren Straße. Läuft schweigend weg, reiht sich ein unter die übrigen Übernächtigen. Fröstelt. Ist benommen und schlaftrunken. Er ist, am Ende der

Nacht, ein friedliches Etwas. In seinem Kopf laufen Bilder. Er kann die Bilder nicht zusammenbringen, hat sich aufgelöst in Stimmen und Schritte. Hört sich gehen. Reden. Die Fenster alle geschlossen. Weibliche Rache. Das Schleimige überall. Er hört den Knall nicht, sieht, am Ende der Straße, ein Gebäude zittern und zusammensinken. Die Staubwolke, die sich aufbauscht. Dann die Sirenen.

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Am Schluß von "Grundrisse", Urs Jaeggis vor drei Jahren erschienenem Roman, klaffte in der Mauer von Alberts Absteige ein Riß, gleichsam metaphorisch. Die Abbrucnmannschaft, die das Nachbarhaus niederreißen sollte, hatte die Kontrolle über ihre zerstörerische Gewalt verloren.

Albert, der ehedem erfolgreiche Architekt, stand mit seiner Tocher auf der Straße. "Sich wehren."

Nach Zehlendorf, in die Welt, aus der er ausgestiegen war, wollte er nicht zurück. Dieser anderen Welt jedoch, in der er sich jetzt bewegte, jene der Penner und Säufer, gehörte der Intellektuelle auf der Flucht vor der Erstarrung auch nicht zu. Albert trug die Züge seines Autors.