Von Norbert Denkel

Welcher Verlag kann schon behaupten, seine Bücher seien alle gleich behandelt in zweifacher Hinsicht: daß der Inhalt den Druck und der Druck den Inhalt wert sei? Und welcher Verleger darf behaupten, er hätte sein Äußerstes getan, um in der Abstimmung von Papier, Format, Typographie, Illustration und Einband seine’eigene Kultiviertheit und die seiner Arbeitszeit zu demonstrieren?

Keine Frage, kleine Klage – so wird nur selten gearbeitet. Allgemein werden Bücher mehr als Lesefutter betrachtet für die grauen Zellen mausgrauer Leser, und als überspannt wird angesehen, wer sagt, auch das-in-der-Hand-halten und Betrachten einer Buchseite habe etwas mit dem Begreifen von Text zu tun.

Das alten, sehr alten Büchern innewohnende selbstverständlich nützlich Schöne, das jedes Buch als Handwerksstück auswies, dies eben ist allem Anschein nach nicht mehr zu erreichen.

Der Preis diktiert die Ausstattung, heute, wo, wie noch nie zuvor, die Möglichkeit bestände, mit fast vollkommenen Satz- und Druckmethoden nur noch allerschönste Bücher zu machen. Unter Umständen, von denen Gutenberg nicht mal hätte träumen können.

Das Schöne ging also dem Nützlichen verloren, und findet sogar im Umkehrschluß oftmals noch Erklärungen wie: So eine schöne Form lenke doch nur vom Inhalt ab.

Weil die Bücher heute kostengünstig hergestellt werden, sind sie billig. Weil sie früher, ganz früher, in einem vernünftigen Schriftgrad auf starkem Papier schön illustriert gedruckt wurden, waren sie teuer.