Von Wolfgang Krüger

Was jeder halbwegs aufmerksame Beobachter seines näheren und weiteren menschlichen. Umfeldes mittlerweile bemerkt hat, ist nun erneut gewissermaßen aktenkundig geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den letzten drei Jahrzehnten, hat sich das Rollenverhalten der Frauen rapide verändert. Zunächst war es vor allem die Lohndiskriminierung, gegen die aktive Teile des weiblichen Geschlechts aufbegehrten. Nun tritt, daneben und darüber hinaus, das Recht auf einen Arbeitsplatz, das Recht auf sinnvolle berufliche Tätigkeit nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen in den Vordergrund.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie "Die Situation der Frau – Trendbeobachtungen über Rollen- und Bewußtseinsveränderungen" berichtet der Sozialpsychologe Gerhard Schmittchen, daß ihm bei seinen Recherchen nur wenige Frauen begegnet seien, die nicht den Wunsch nach Ehe und Kind hätten. Immer geringer werde aber auch die Zahl derjenigen, die im Hausfrauendasein den alleinigen Sinn und Schwerpunkt ihres Lebens sehen. Frauen wollen heute beides, Familie und Beruf. Die Schwierigkeit, diese beiden heterogenen Lebensbereiche miteinander in Einklang zu bringen, kennzeichnet die Lebensproblematik der Frau im letzten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts.

Frauen im konfliktträchtigen Spannungsfeld von Kinder- und Berufswunsch könnte man auch als Arbeitstitel über das von Karin Roth, Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall-Vorstandsverwaltung, herausgegebene Buch "Träumen verboten" setzen. Hinter dem gefühlig verschwommenen Titel verbirgt sich eine Reihe lesenswerter Artikel, die von Frauen geschrieben sind (Gewerkschaftsmitglieder, Betriebsrätinnen, Sozialpädagoginnen, Journalistinnen), die sich außerhäuslich engagiert haben und häufig auch als Mutter von ein oder mehreren Kindern die Doppelbelastung von Haus- und Erwerbsarbeit zu tragen haben. Die konkrete und bejahte Verankerung der meisten Autorinnen in beiden Lebensbereichen macht dieses Buch, das sich denn auch erfreulicherweise über weite Strecken frei von feministisch-emanzipatorischen Verstiegenheiten hält, zu einer nachdenklich stimmenden Lektüre. Die Probleme, die durch den immer stärker werdenden Trend zur fraulichen Erwerbsarbeit nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch in menschlicher und gesellschaftspolitischer Hinsicht aufgeworfen werden, sind nicht gering.

Die statistischen Daten jedenfalls sprechen eine eindeutige Sprache. Zwar ist von 1974 bis 1982 die Zahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden versicherungspflichtigen Frauen um drei Prozent (von 7,8 auf acht Millionen) gestiegen, während in der gleichen Zeit die Zahl der männlichen Arbeitnehmer um vier Prozent (von 13 auf 12,4 Millionen) zurückging. Frauen sind also im Erwerbsleben im Vormarsch. Männer werden vom Arbeitsmarkt verdrängt.

Aber: Der Anteil arbeitsloser Frauen an den weiblichen Arbeitnehmern steigt beständig. Die Arbeitslosenquote liegt über der der Männer; im Mai dieses Jahres betrug sie zehn Prozent (Männer: acht Prozent).

Und: Noch schlechter sehen die Zukunftsperspektiven aus. Frauenarbeit ist im Schwerpunkt auf rationalisierungsträchtige Branchen und Berufe konzentriert. Vom Strukturwandel und technologischen Fortschritt sind in erster Linie Fräuenarbeitsplätze betroffen. Die alarmierendsten Entwicklungen sind in den nächsten Jahren im Bürobereich und im Dienstleistungssektor (Handel, Banken, Versicherungen) zu erwarten, also in den traditionellen Domänen der Frauenarbeit.