Die wahre Uraufführung: Peter Stein inszeniert an der Berliner Schaubühne den "Park" von Botho Strauß

Von Helmut Schödel

Es ist dunkel im Theater wie in einem Park bei Nacht. Das matte Licht der Laternen – milchig-weiße Lampenschirme über dem Parkett – taucht uns in eine fahle Düsternis. Das Halbrund des Zuschauerraums fällt wie in einem Orchestergraben ab. Dort unten stehen runde Tischchen mit Lampen darauf, Gartenstühle, ein Piano. Das ist das Park-Cafe, wo der Pianist gerade ein Lied singt: "Schade, daß wir auseinandergehn, schade, daß wir uns nicht mehr verstehn, schade."

Löwen brüllen, Elefanten trompeten, die Wildnis ruft: Tiergeschrei aus der Dunkelheit, wenn der Vorhang sich öffnet. Auch die große Bühne wirkt im fahlen Licht der Laternen kalt und fast leer. In der Mitte hängt ein roter Vorhang. Aber dahinter ist nichts. Davor: ein Sandkasten und nicht weit davon entfernt ein Busch. Ein Scheinwerfer verfolgt ein leeres Trapez, das über der Bühne hin und her schwingt, tastet das Gebüsch ab, in dem sich zwei Leute verbergen. Dann hört man eine Zirkusfanfare. Das war nicht die lockende Wildnis, als die Löwen brüllten. Zirkus.

Das sind die ersten Minuten eines fünfstündigen Abends, an dem Peter Stein in der Berliner Schaubühne den "Park" von Botho Strauß inszenierte. Am Ende war es mehr als nur ein Ereignis: ein großes Epos über das Theater, das noch immer auch die Welt bedeutet; ein langer Gang durch den Tempel in verkehrter Richtung, vom Allerheiligsten nach draußen, unserer falschen Bewegung auf der Spur. Man sieht an diesem Abend, wie ein großer Entwurf zerfällt, wie aus dem Welttheater Stückwerk wird und wie es sich behauptet als Vision. Nach einer kläglichen Uraufführung des "Park" in Freiburg, nach Dieter Doms eher halbherzigem Versuch in den Münchner Kammerspielen (der auf modische bis kabarettistische Effekte setzte), jetzt die eigentliche Uraufführung des Stücks durch Peter Stein, dem es Strauß gewidmet hat.

Welt ohne Sommernachtstraum

Bleiches Land, leerer Park. War nicht zu einem Fest geladen? Noch einmal sollte unsere "tüchtige Gesellschaft" den "Sommernachtstraum" spielen, "besetzt und bewegt, erhoben und genarrt" durch Shakespeares Elfenwelt, unter Leitung Oberons, des Elfenkönigs und seiner Frau Titania. Das ganze Leid, die ganze Lust der Liebe, das erotische Delirium, das Dei Shakespeare die jungen Paare ergreift: statt im Athener Wald in einem Stadtpark heute. des Fest sollte es sein, so rauschend wie im Palast des Fürsten Theseus, der bei Shakespeare Hochzeit feiert und die junge Welt Athens durch seinen Diener zu Lustbarkeiten laden läßt: Den weck den raschen leichten Geist der Lust. Den Gram verweise hin zu Leichenzügen. Der bleiche Gast geziemt nicht unserm Pomp." Park. aber ist die Licht in Karl-Ernst Herrmanns Park. Dies ist die Welt der Leichenzüge eher als der Hochzeitsschrieb Welt ohne Sommernachtstraum. Ihr schrieb Strauß sein Stück.