So verdient die "Goldgrube", die im vergangenen Jahr mit zweiunddreißig Prozent an der IVO-Stromerzeugung von 8,2 Milliarden Kilowatt beteiligt war, die gesamte Dividende des Unternehmens. Die übrigen Kraftwerke des Unternehmens schließen ausgeglichen ab.

Da auch das zweite finnische Kernkraftwerk, das von der schwedischen ASEA gebaut worden ist und eine Leistung von zweimal 660 Megawatt hat, ein voller Erfolg ist, besteht der dringende Wunsch nach einem weiteren Reaktor in den neunziger Jahren. Chancen, dabei zum Zuge zu kommen, rechnet sich auch die deutsche Kraftwerk Union aus.

Der Bau eines weiteren Kernkraftwerks setzt nach IVO-Meinung aber ein Atomgesetz mit Zustimmung des Parlamentes voraus. Ob es dazu kommt, ist ungewiß. Die Aussichten steigen jedoch, wenn man jüngsten Umfrageergebnissen Glauben schenkt. Während noch im März 49 Prozent der Befragten der Atomenergie ablehnend gegenüberstanden, war ihr Anteil im August auf 39 Prozent gesunken. Palmgren glaubt zu wissen, was diesen Sinneswandel bewirkt hat: Das Waldsterben in der Bundesrepublik, das nicht zuletzt auf die Emissionen der Kohlekraftwerke zurückgeführt wird.

Für die IVO ist freilich nicht die Verhinderung des Waldsterbens, sondern die kostengünstige Stromerzeugung Anlaß für weitere Kernkraftwerkspläne. Derzeit stehen übrigens Kohlekraftwerke still. Importierte Kohle türmt sich zu Halden, wie man sie sonst nur aus dem Ruhrgebiet kennt. Die Verbraucher fahren bei der finnischen Versorgungsstruktur – 41,5 Prozent Strom aus Kernkraftwerken und 33,2 Prozent aus Wasserkraft – nicht schlecht: Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt, so haben die Finnen errechnet, in ihrem Lande je Kilowattstunde 17 Pfennig, in der Bundesrepublik hingegen 28 Pfennig. Heinz Günter Kemmer