Von Ulrich Stock

Politiker sind merkwürdige Säugetiere. Reeder, Kapitäne, Kurdirektoren – sehr, sehr merkwürdige Säugetiere. Vor wem auch immer Gottfried Vauk einen Vortrag hält, stets stellt er das Bild vom Menschen als Säugetier an den Anfang. Der Biologe möchte seinen Zuhörern "die biologische Dimension des Daseins" vermitteln.

"Der Mensch", sagt er, "ist nicht der Maßstab aller Dinge. Wir Menschen stehen am Ende einer Nahrungskette – wie Seehunde und Seevögel." Die haben das Pech, im Meer zu leben, das der Mensch als Müllschlucker mißbraucht. Nur weil sich der Mensch nicht ausschließlich von Fisch ernährt, geht es ihm noch gut.

Diese Erkenntnis ist die Botschaft des Biologen Gottfried Vauk, und jeder, der ihm begegnet, bekommt sie zu hören – ob er will oder nicht. Denn schließlich soll sich etwas ändern.

Als Gottfried Vauk 1956 Vogelwart auf Helgoland wurde (er ist es immer noch), gab es das Wort "Umweltschutz" nicht – die Verschmutzung schon. Wenige Tage nach seiner Ankunft auf der Insel fand er seinen ersten ölverklebten Vogel: eine Trottellumme, das Wappentier Helgolands. Damals wußte Vauk noch nicht, welches Ausmaß das ölbedingte Vogelsterben einmal annehmen sollte. Als er es ahnte und warnte, hörte niemand auf ihn.

Das Leben auf der winzigen Insel, die zu Fuß in einer Stunde bequem umrundet werden kann, begann für Vauk in der Trümmerwüste, die die Engländer nach ihrem Abzug zurückgelassen hatten. Jahre des Aufbaus folgten und haben Spuren in sein Gesicht gegraben; viele Falten müssen beim Lachen entstanden sein. Die Gründe zum Fluchen von damals sind in seinen Erzählungen heute auf das Format plastischer Anekdoten geschrumpft. Nach dem Krieg war die Lage auf Helgoland hoffnungslos, aber nicht ernst und genau das richtige für einen jungen Rabauken wie ihn.

Als 59jähriger ist Gottfried Vauk ein Poltergeist, ein Mann, der Autorität und Wärme ausstrahlt, der mit der Faust auf den Tisch schlägt, wenn es sein muß, und sich mit dröhnender Stimme Gehör verschafft.