Bei einer Umfrage bestritten die meisten Unternehmen einen technologischen Rückstand in der Bundesrepublik

Otto Wolff von Amerongen, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) in Bonn, ist in die Unkenrufe nie eingestimmt. Im Gegensatz zu Kritikern – auch aus der Wirtschaft – hat Wolff stets bestritten, daß die Bundesrepublik beim technologischen Fortschritt hinter anderen Industrieländern zurückbleibt. Die jüngste Umfrage des Handelstages gibt dem DIHT-Präsidenten nun recht. Die deutschen Unternehmen halten sich für besser, als ihr Ruf das erwarten läßt.

Die Herbstumfrage des Handelstages zur konjunkturellen Einschätzung der Unternehmen hat schon Tradition. In diesem Jahr haben die Mitgliedskammern erstmals auch die Sonderfrage gestellt, wie die Unternehmen ihren technischen Entwicklungsstand im Vergleich zu internationalen Spitzentechnologien beurteilen. Die Antwort der Unternehmen hat überrascht. Die Mehrheit der Befragten widersprach nicht nur der häufig geäußerten Auffassung, die deutsche Wirtschaft habe den Anschluß an das Weltniveau verloren; sie hat sich selbst sogar als international führend und wettbewerbsfähig eingestuft.

Das Ergebnis der Umfrage kann durchaus als repräsentativ gewertet werden: Immerhin haben die Kammern des DIHT über 14 000 Unternehmen befragt. Und unter ihnen ist die Mehrheit, die sich international durchaus für konkurrenzfähig hält, eindeutig. Ein Viertel der befragten Unternehmen zählt sich sogar zur Spitze in der eigenen Branche. Die Zahl der Pessimisten ist dagegen gering: Nicht einmal zehn Prozent der Befragten räumen sich einen nennenswerten technologischen Rückstand ein.

Im Kammerbezirk Darmstadt gaben sich 82 Prozent der Unternehmen eine technologische Spitzennote, und kein einziger der Investitionsgüterhersteller stellte sich ein schlechtes Zeugnis aus. Weder im Maschinenbau noch im Straßenfahrzeugbau hielten sich die Darmstädter für rückständig. Für Frankfurt hat die Sonderumfrage ebenfalls ergeben, daß die Wirtschaft des Kammerbezirks keineswegs, wie oft behauptet wird, hinter dem Spitzenstandard zurückliegt. 24 Prozent der Industrieunternehmen verfügen über einen hervorragenden Entwicklungsstand bei ihren Produkten. 69 Prozent halten sich für international wettbewerbsfähig.

Auch Stuttgart, Sitz einiger Multis, beweist, daß der Anschluß an internationale Spitzentechnologien gehalten wurde. Mehr noch: Bei einzelnen Produkten oder Produktgruppen wird die internationale Spitzenstellung von Stuttgarter Unternehmen bestimmt.

Überraschend ist das Umfrageergebnis, das aus dem Bereich der Industrie- und Handelskammer Bochum kommt – einer Ruhrgebietsregion, von der es oft heißt, sie habe den Anschluß verpaßt. Die Bochumer Kammer meldet es anders: "Unternehmen, die in Teilbereichen einen gewissen Nachholbedarf im technischen Entwicklungsstand vermuten, sind die Ausnahme".