Von Irene Mayer-List

ZEIT: Die Elektrizitätswirtschaft wehrte sich vor einem Jahr heftig, als man den Einbau von Rauchgasfiltern bei Kraftwerken vorschreiben wollte. Hat sich die Einstellung der Kraftwerksmanager inzwischen – abgesehen von einigen unrühmlichen Ausnahmen – geändert?

von Lersner: Ja, wir können befriedigt feststellen, daß die Umstellung der Großkraftwerke nicht nur bei der Rauchgasentschwefelung, sondern auch bei der Minderung der Stickstoffoxide sehr rasch vonstatten geht. Wir sehen es an Plänen, die uns vorgelegt werden: Man hat sich entschlossen – teilweise auch als Antwort auf den politischen Druck der Landesregierungen – in sehr kurzen Fristen umzurüsten. Bei vielen Kraftwerken wird der kürzestmögliche Termin, der technisch machbar ist, angestrebt, und das können wir nur begrüßen.

ZEIT: Können Sie Zahlen nennen?

von Lersner: Wir schätzen, daß die jährlichen Schwefeldioxidemissionen aus Großfeuerungsanlagen von 2,1 Millionen Tonnen im Jahre 1980 auf etwa 1,1 Millionen Tonnen im Jahre 1988 gesenkt werden. Das wäre also etwa eine Halbierung. Bei den Stickstoffoxiden erwarten wir eine Minderung um siebzig Prozent bis Mitte der neunziger Jahre.

ZEIT: Haben Sie mit dem plötzlichen Eifer der Kraftwerksmanager gerechnet?

von Lersner: Es ist durchaus folgerichtig, daß die Wirtschaft, wenn die Politik ihr klare Vorgaben macht, diese akzeptiert und schnell handelt. Die Entscheidung, die im öffentlichen Interesse notwendig war, ist gefallen, und es hat ja dann für die Industrie keinen Zweck mehr, lange über Sinn oder Unsinn solcher Vorgaben zu jammern.