Hörenswert

Cassiber: "The Beauty and the Beast". Wer will, kann in dieser eigenartigen, angreifenden Musik und in ihren poetischen Beigaben apokalyptische Züge finden: eine Satire, die jeder für sich selber ergründen muß; jeder ist eingeladen, die Ohren zu spitzen und sich den Kopf zu zerbrechen – und, nicht zuletzt, die faszinierenden, erschreckenden, fesselnden Klänge auf sich wirken zu lassen. Sie wabern und zappeln, kreischen und singen, hören sich verzweifelt oder sehr komisch an, beißend und lullend. Unter dem Titel "Robert" stöhnt und raunt es geheimnisvoll. Beim "Last Call" ist man Lauscher eines leisen, dräuend untermalten Abschiedsgestammels. "Ach, heile mich" beginnt mit verdrücktem Lachen, ehe der Hilferuf an den Himmel gesprochen, geschrien wird, zu einer lieblichen, sich verzerrenden Melodiephrase. Noch in den versonnenen Stücken hört man Kratzer, verstörende Geräusche und verstümmelte Rufe. Die musikalisch angedeutete Erlösung ist immer eine Täuschung. Vielleicht nimmt man diese Stücke als surrealistische Bilder, in denen etwas erzählt wird, teils abstrakt, teils konkret, die Phantasie hat viel Arbeit. Man muß sich schon an den Pianisten Heiner Goebbels halten (der neben dem sehr guten Schlagzeuger Christ Cutler, dem Saxophonisten Alfred Harth und dem Vielerlei-Musiker Christoph Anders zu diesem couragierten Quartett gehört). Er sagte: "... wir machen keine Musik, die man einfach nur so nebenbei hören kann... Unsere Musik muß man hören, so wie man sich einen Film ansieht." (Riskant/Eigelstein, Hansaring 80, 5000 Köln 1; EfA 08-5810)

Manfred Sack

The Beat Rodeo: "Staying Out Late" ist das Debüt eines Country-Rock-Quartetts, das als dernier cri in Sachen Pop angepriesen wird, eigentlich aber nur fortsetzt, was Poco, Flying Burrito Brothers, Byrds und vergleichbare Bands in den späten sechziger Jahren begonnen haben, nämlich die Fusion von Hillbilly-Klängen, Beatles-Vokalharmonik, munter exerzierter Virtuosität an allen möglichen Saiteninstrumenten und jener Dosis an archaischem Rockabilly-Gefühl, das die Brücke zu den fünfziger Jahren schlägt. Weitere Ingredienzien in dieser Mixtur sind Western Swing und der unverkennbare "Sun Records"-Sound, Anklänge an die Everly Brothers und die Searchers, und bisweilen spielt Bill Shunk seine Gitarre fast so hinreißend wie der große Albert Lee. Spätestens mit der B-Seite dieses Erstlingswerks setzt aber auch eine gewisse Monotonie ein, und die Songs wirken schwächer, auch weniger originell arrangiert und gespielt. Was der Gruppe fehlt, ist ein zweiter herausragender Leadsinger, der auch mit eigenen Kompositionen für mehr Abwechslung sorgen würde. Dann hätten Gruppen wie Jason & The Scorchers oder Rand and File ernsthafte Konkurrenz im eigenen Neo-Country-Rock-Lager zu befürchten. (Teldec 6.26008) Franz Schöler