Bummler

Wann und warum ist einer ein Bummelstudent? Der Definition und den Gründen für verlängerte Studienzeiten gingen Ludger Claßen und Jörn Schmidt von der Universität Essen in einer Studie nach. Der Langzeitstudiosus (einer, der mehr als 15 Semester studiert – Statistiker sind sich in dieser Frage aber uneins) vergeudet weniger öffentliche Gelder als der Studienabbrecher, fanden die Autoren heraus. Denn im Gegensatz zum endgültigen Studien-drop-out schaffen die Bummler den Abschluß letztlich doch noch. An der Vorstellung, es gäbe zu viele Studenten, die wenig erfolgreich und zu lange begehrte Studienplätze blockieren, hegen die Wissenschaftler Zweifel. Das Fachstudium nämlich absolvieren die Studenten – bis auf die Lehramtskandidaten, die durchschnittlich 9,8 Semester brauchen – relativ rasch. Dies hat allerdings nichts mit ihrem weiteren Aufenthalt an der Hochschule zu tun. "Komplexe gesellschaftliche Veränderungen", dazu zählen in erster Linie die schlechte Arbeitsmarktlage, sind nach Ansicht der Essener Forscher schuld, daß die Uni zum Wartezimmer verkommt.

Kinderland

Kindertagesstätten nicht als Bewahranstalten, sondern als Erfahrungsräume, in denen Kinder sich und die Welt entdecken: Die Stadt Reggio nell’Emilia in Oberitalien hat die schönsten Kindertagesstätten Europas, Alice-im-Wunderland-Einrichtungen, in denen man lernt, mit dem Licht zu zeichnen, mit Zauberspiegeln umzugehen, Pantomimen zu entwickeln, Umgebungen zu erkunden, miteinander aufzuwachsen. Loris Malaguzzi, Pädagoge und Politiker, hat sie geschaffen.

Wie das pädagogisch und architektonisch gelingt, zeigt eine Ausstellung, die in Berlin im Haus am Kleistpark (Grunewaldstraße 6/7, Dienstag bis Freitag 9 bis 19 Uhr, Samstag/Sonntag 11 bis 19 Uhr, Veranstalter: Bezirksamt Schöneberg von Berlin) bis zum 2. Dezember zu sehen ist. Ihr Titel: "Das Auge schläft, bis es der Geist mit einer Frage weckt." Einen gleichnamigen Bericht über die Tagesstätten in Reggio gibt es – mit schönen Photos versehen – für 12,80 Mark beim Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis (Roennebergstr. 3, 1000 Berlin 41).

Uni-Misere

Die Leistungsfähigkeit der Hochschulforschung ist gefährdet: Die Präsidenten der sechs großen Wissenschaftsorganisationen (darunter Theodor Berchem von der Westdeutschen Rektorenkonferenz und Eugen Seibold von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) äußern in einem Memorandum ihre ernsthafte Besorgnis. Während sich die Zahl der Stellen für wissenschaftliches Personal seit 1975 nicht nennenswert verändert habe, sei die Zahl der Studienanfänger seit Anfang der siebziger Jahre um mehr als die Hälfte gestiegen. Aus eigener Kraft hätten die Universitäten kaum Möglichkeiten, der Misere zu entkommen: Erst Ende der achtziger Jahre werden neue Stellen frei, denn die heutige Professorengeneration ist noch zu jung, um in Pension zu gehen. Auch die neuen Graduiertenföderungsgesetze der Länder seien wenig attraktiv für Nachwuchswissenschaftler, wenn die Forscher anschließend keine Chance auf eine feste Stelle im Hochschulbereich hätten. Um dem Forschungsnotstand zu entgehen, holten die Unterzeichner des Memorandums den "Fiebiger-Plan" wieder aus der Schublade. Danach wird zunächst ein zentraler Pool für Professorenstellen bei den einzelnen Wissenschaftsministerien geschaffen. Die Stellen für den neuen Personalbedarf sollen die Länder den Hochschulen gezielt unter forschungspolitischen Gesichtspunkten zuweisen. Ab Mitte der neunziger Jahre kann dann ein Teil der aus Altersgründen frei werdenden Stellen wieder eingezogen werden.