War es nun ein heroischer Moment der Medizin oder nur ein weiterer Schritt zur Verluderung der ärztlichen Ethik? Für die Männer und Frauen am Operationstisch des kleinen Mädchens mit dem Decknamen "Baby Fae" war es, am 26. Oktober, zunächst einmal ein "Augenblick der absoluten Ehrfurcht", wie die Immunologin Sandra Nehlsen-Cannerella der New York Times gestand: "Es war einfach unglaublich, als wir dieses kleines Herz zu schlagen beginnen sahen."

Das kleine Herz schlug zuvor in einem jungen weiblichen Pavian. Seit jenem letzten Freitag im Oktober schlägt es in der Brust von "Baby Fae". Dort soll die artfremde Blutpumpe dem am 11. Oktober geborenen Säugling eine Lebenschance geben – sagt der Chirurg Doktor Leonard Bailey vom Medizinischen Zentrum der Loma-Linda-Universität, rund hundert Kilometer östlich von Los Angeles gelegen.

Das Kind hat keine Chance, Baileys Tat ist nur ein Hinausschieben des unvermeidlichen Todes mit unverantwortlichen Methoden, sagen seine Kritiker. Es fallen auch härtere Worte: "Sensationschirurgie" oder "mittelalterliche Medizin mit der Methodik des 20. Jahrhunderts".

Für die Boulevardpresse birgt das Schicksal des Kindes, das mit einer lebensbedrohlichen verkleinerten linken Herzkammer zur Welt kam, eine Menge schlagzeilenträchtige Ingredienzien: Mensch und Affe, Herz und Arzt, Leben und Tod. Da wird, vor allem in der Vereinigten Staaten, der Fortschritt der Medizin bejubelt – etwa, wenn die Herald Tribune meldet, "Baby Fae stellte am Dienstag einen Rekord auf als der am längsten überlebende menschliche Empfänger eines Herzens von einer anderen Spezies".

Aber jenes Faktum, schon nach nur vier Tagen einen Überlebens-Weltrekord mit einem Tierherzen in der Brust aufgestellt zu haben, illustriert auch Kritikern zufolge die Nutzlosigkeit einer auf das Tier gekommenen, gleichsam entmenschlichten Humanmedizin.

Plazet des Ethik-Komitees?

So klar, wie sich der Fall "Baby Fae" darzubieten scheint, ist die Sache freilich nicht. Einige Fragen müssen erst beantwortet werden, bevor zwischen all den Meinungen ein medizinisch wie ethisch fester Standort gefunden werden kann: