Der Band "Unser Leben in Augsburg, damals" endet mit dem Tod der Mutter im Jahr 1920. Noch einmal versucht Walter Brecht, mit diesem Kapitel den Widerspruch in der Person seines Bruders darzustellen. Am Totenbett der Mutter ordnet Eugen die Krawatte des Bruders. Eine Geste der Zärtlichkeit, die es unter den Brüdern vorher nicht gab und die sich niemals wiederholt hat. "Es war ein letztes Geschenk, das die Mutter dem älteren Bruder für den jüngeren mitgegeben hatte."

Am folgenden Tag, während die anderen unten am Sarg versammelt sind, verbringt der Bruder mit seinen Freunden oben in der Mansarde einen lauten Abend – wie so oft. Walter Brecht schreibt: "Wer weiß, warum er dies in seiner Trauer tat. Wir anderen, die das Haus bewohnten, waren stumm vor Schmerz." War es einfach die menschliche Unzulänglichkeit, seine Trauer um den Tod der Mutter direkt zu erleben und den anderen zu zeigen? Ich habe das Gefühl, daß dem Bruder mir gegenüber diese Geschichte bis heute unverständlich ist. Vielleicht hat er ihm diesen einen Tag bis heute nicht vergeben.

Aber das würde Walter Brecht nie öffentlich sagen. Er zitiert an dieser Stelle ein Gedicht seines Bruders auf den Tod der Mutter. Wie so oft läßt er hier den Dichter sprechen, dem andere Worte und Sätze zur Verfügung standen.

Meiner Mutter

Als sie nun aus war, ließ man in Erde sie

Blumen wachsen, Falter gaukeln darüber hin ...

Sie, die Leichte, drückte die Erde kaum