Von Nina Grunenberg

Entwicklungshilfe lebt nicht vom Geld allein. Ihre Visitenkarte sind die Menschen, die in der Dritten Welt als "Experten" arbeiten. Sie werden vom Staat geschickt, von den Kirchen, von anderen Hilfsorganisationen. Manche helfen auch nur von sich aus und von niemandem sonst dazu beauftragt. Irgendwo begegnet man ihnen zufällig und ist beeindruckt, manchmal auch beschämt. Einige von ihnen vergißt man nicht wieder – zum Beispiel die fünf Missionsdominikanerinnen samt ihrem Beschützer Siegfried Striegel in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá.

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Gemeinsam ist den sechs Deutschen nur die Herkunft aus katholischen Familien in Süddeutschland. Siegfried Striegel ist Münchner und lebt seit vielen Jahren in Kolumbien. Er ist Vertreter der Firma Zeiss in Bogotá, ehrenamtlich ist er Sprecher der deutschen katholischen Gemeinde am Ort. Schwester Regina stammt aus Ulm, Schwester Candida aus Schramberg, Schwester Agneta aus Rastatt, Schwester Vianney aus Kitzingen und Schwester Maria aus Memmingen.

Das Mutterhaus der Nonnen steht in Zimbabwe, in Afrika. Vor zehn Jahren begann der Dominikanerinnenorden, seine Schwestern auch nach Südamerika auszusenden, je zwei zusammen. Ursprünglich waren sie sechs. Eine von ihnen verunglückte tödlich – ein Omnibus überfuhr den Lieferwagen, den sie lenkte. So etwas gehört in Bogotá zu den alltäglichen Katastrophen. Den Grabstein ihrer Mitschwester ließen die anderen, in die Sakristei neben den Grundstein legen.

Die Wirkungsstätte der fünf Dominikanerinnen ist die Pfarrei "Unsere liebe Frau vom Morgenstern" im Barrio Meissen, einem Elendsviertel in Bogotá, in dem etwa 400 000 Menschen hausen. Und es werden täglich mehr. In der Hoffnung auf ein besseres Leben flüchten die Campesinos vom Land in die Stadt. Die Behausungen, die sie sich und ihren Familien über den Kopf stülpen, sobald sie eine freie Stelle gefunden haben, reichen von der Erdhöhle über den Pappkarton bis zu primitiven Bretterbuden und einfachen Ziegelstein-Häuschen – ohne Strom, ohne Wasser, ohne Kanalisation.

So lebten anfangs auch die Schwestern. Sie wollten es nicht anders haben als die Armen. Doch ihrer Mission bekam das nicht. Sie wurden anfällig, waren oft krank, auch für ihre äußere Sicherheit war nicht gesorgt. Um wirksam helfen zu können, fehlte ihnen eine eigene "Infrastruktur". Siegfried Striegel sah sich das an und nahm die Sache dann selber in die Hand. Den Schwestern, so entschied er, fehlte ein Mann im Haus. Seitdem kommt er jeden Mittwoch und sieht nach dem Rechten. Als erstes sorgte er für den finanziellen Unterbau. Die Schwestern haben kein Einkommen. Das hat nicht einmal der kolumbianische Pfarrer ihrer Kirche. Sie sind auf private Spenden angewiesen.