Ab 1987 dürfen die lautesten Düsenflugzeuge in Westeuropa nicht mehr starten und landen – wenn bis dahin nicht wieder Ausnahmen gemacht werden.

Jährlich treffen sich die europäischen Fluglärmschutzbeauftragten, in der Bundesrepublik sind das beispielsweise Beamte der Luftaufsichtsbehörde, um eine Bilanz ihrer Arbeit zu ziehen. In diesem Oktober diskutierte man in Köln.

Denn in der Bundesrepublik, wie in anderen EG-Ländern, rückt der Tag X immer näher, der 31. 12. 1986. Bis zu diesem Termin müssen die größten Krachmacher der Lüfte aus dem Verkehr gezogen sein, weil sie danach entsprechend der Lärmschutzverordnung bei uns nicht mehr starten und landen dürfen. Unter diese Bestimmung, die in den USA schon Ende 1985 in Kraft tritt, fallen beispielsweise die Flugzeugtypen BAC-1 11, die Boeing 707, die mit alten Triebwerken ausgerüstete Caravelle, und die älteren Typen der DC-8.

Nach Meinung der Fluglärmschutzbeauftragten üben allerdings bereits einige Fluggesellschaften massiven Druck auf die Behörden aus, damit der drohende Ausmusterungstermin verschoben wird. Tatsächlich wären insbesondere kleinere Fluggesellschaften aus der Dritten Welt arg betroffen. Denn sie haben die lauten Jets billig von westlichen Airlines gekauft, die diese schon vor einigen Jahren abgestoßen haben. Ihnen fehlt nun natürlich das Geld, um die Krachmacher umzurüsten beziehungsweise neues Fluggerät anzuschaffen. Trotzdem raten die europäischen Lärmschutzbeauftragten ihren Behörden, auf jeden Fall hart zu bleiben.

Damit die Fluglärmbelästigung noch weiter abnimmt, fordern sie die Flughafenverwaltungen auf, ab sofort die leiseren Flugzeuge wie den Airbus A 310 oder die Boeing 757 und 767 durch besonders niedrige Start- und Landegebühren zu belohnen, die lauteren Flugzeuge dagegen mehr zur Kasse zu bitten. Als Modell gilt dabei die Gebührenordnung des Züricher Flughafens, der die dort an- und abfliegenden Flugzeuge in fünf Lärmklassen einteilt und dementsprechend gestaffelte Tarife kassiert.

Damit der Lärm der Flugzeuge auch genauestens registriert werden kann, wurde in den letzten Jahren das System FANOMOS entwickelt. Es zeichnet präzise auf, wenn Piloten bei Start oder Landung über Gebühr Krach verursachen. Derzeit wird dieses System am Amsterdamer Flughafen getestet. So erfolgreich, daß es nun auch die Airports in Zürich und Oslo übernehmen wollen. Die bundesdeutschen Lärmschutzexperten, so die Kölner Erklärung, fordern die Einführung auch an deutschen Flughäfen und haben kein Verständnis für behördliche Vorbehalte und Widerstände.

Neben dem Verkehrsfluglärm beschäftigten sich die europäischen Fluglärmbeauftragten auch mit der militärischen Tiefflugbelästigung. Zu welchen Ansichten sie dabei gekommen sind, wurde allerdings nicht verraten. Willi Bremkes