Asien in Kalifornien

"Karate Kid" von John G. Avildsen erzählt eine konventionelle, aber immer wieder wirksame amerikanische Kinogeschichte: Vom Underdog, der sich durch Ausdauer und Zähigkeit nach oben kämpft. Nicht weil er ein Faible für Fernöstliches hätte, will Daniel ein Karateka werden, sondern weil Mitschüler ihn täglich verprügeln. Und weil er so wenig Taschengeld bekommt, daß er kaum andere Möglichkeiten hat, dem Mädchen, das er liebt, zu imponieren. Avildsen will verdeutlichen, daß Karate mehr sein kann als nur eine besondere Technik des Prügeins, weshalb er auch diverse asiatische Spruchweisheiten zitieren läßt. Aber die Art, wie der rätselhafte Mr. Miyagi, Daniels japanischer Karatelehrer, die Sinnsprüche vorträgt, zeugt davon, daß die fernöstlichen Sätze mit der kalifornischen Wirklichkeit nicht in Einklang zu bringen sind. Wichtiger als Sprüche sind im Kino die Bewegungen: Wir sehen Daniel zu, wie er – nach genau festgelegten Regeln – dutzende Autos poliert, kilometerlange Zäune lackiert – und sind genauso überrascht wie er selbst, wenn sich dann herausstellt, daß die Arbeit nicht Schikane, sondern Training war: Miyagi täuscht einen Faustschlag an, Daniel weiß plötzlich, wie er kontern muß; er hat die Bewegung beim Polieren und Lackieren geübt. Mehr als für die Ideologie des Karate interessiert Hollywoodregisseur Avildsen sich für die Choreographie: für die stilisierten Gesten, die tänzerischen Rituale. Erst im Finale gibt’s dann die plumpe Action, die der Titel verheißt: Da besiegt Daniel all die bösen Mitschüler, wird Karatekreismeister, und sein Mädchen kriegt er auch. Claudius Seidl

Schwert und Ironie

"Conan, der Zerstörer" von Richard Fleischer, der an die naiven, neo-mythischen Filme anknüpft, die in den 60er Jahren besonders der Italiener Vittorio Cottafavi mit seinen Herkules-Märchen wiederbelebt hatte. So erzählt Fleischer –, in deutlicher Abgrenzung zum ersten "Conan" von John Milius – diesen zweiten Teil der Conan-Sage auch eher ironisch und witzig. Im Mittelpunkt steht wieder der Muskelprotz mit Lendenschurz und eisernem Stirnenreif (Arnold Schwarzenegger). Mit seinem riesigen Schwert, das er benutzt, als halte er einen Kendo-Stock in den Händen, hilft er dieses Mal einer jungen, wunderschönen Prinzessin und ihrer Suche nach einem goldenen Horn. Conan kämpft gegen Zauberer und schwarze Ritter, gegen fanatische Priester, Spiegelmonster und gegen eine böse Königin. Dabei an seiner Seite Disco-Queen Grace Jones, als dunkelhäutige Kriegerin Zula, die mit ihrem einfachen Holzspeer tolle Kunststücke vollbringt.

Norbert Grob

Gehobener Mittelstand

"Unerreichbare Nähe" von Dagmar Hirtz. Sie sind zwischen 30 und 40, drei Frauen und ein Mann. Münchens gehobener Mittelstand ist ihre Welt. Andreas (Klaus Grünberg), Verlagslektor und in seinen glücklicheren Stunden Schriftsteller, leidet, weil die Flut neuer Bücher ihn täglich überrollt und sein Tun im Frage stellt. Monika (Brigitte Karner) lebt unselbständig und ist – ihr Mann verunglückte tödlich – von Gewissensbissen geplagt. Sabine (Loni von Friedl), Wissenschaftlerin, eine patente, tolerante Frau, läßt sich durch nichts beirren. Selbstsicher, souverän, unerschütterlich gibt sich Ines (Kathrin Ackermann), die als Dokumentarfilmerin gerade damit beschäftigt ist, ein Porträt des Clowns Pic zu drehen (aus dem Zirkus Roncalli als Clown mit den Glocken noch in guter Erinnerung und jetzt beim Zirkus Knie zu sehen). Diese Unerschütterlichkeit jedoch gerät ins Wanken. Was sie jahrelang verdrängt hat, drängt sich plötzlich in ihr Leben: Der Sohn, inzwischen 15 Jahre alt, den sie kurz nach der Geburt bei seinem Vater in den Vereinigten Staaten zurückließ, möchte sie kennenlernen. Die ohnehin durch Arbeitsüberlastung kriselnde Beziehung zu Andreas – der einzige Kontakt verläuft an manchen Tagen über einen Anrufbeantworter – wird dadurch nicht einfacher. Dagmar Hirtz, einst Cutterin vieler deutscher Filme von Kurt Hoffmann bis Maximilian Schell, erzählt ihren ersten Spielfilm mit Ernst und Gründlichkeit, ohne ironische Berechnungen, nicht selten theatralisch. Brigitte Karner spielt die Figur der Monika mit geradezu hingebungsvoller Leidensmiene, und auch Kathrin Ackermann als Ines hat immer etwas aufgesetzt Bedeutungsvolles in Blick und Haltung. Einzig Pic, der Clown, ist von erfrischender Natürlichkeit.