DIE ZEIT

Provokation

Im Normalzustand ist die Demokratie ein geschäftiges Unternehmen, in dem sich, wie Tocqueville unbarmherzig anmerkte, viele Streber tummeln, aber nur wenig großes Streben sich findet.

Jetzt muß Ronald Reagan wählen

Diesmal sind die amerikanischen Wahlen von allergrößter Bedeutung. Auch für uns, auch für Europa. Nicht das Resultat ist dabei das Aufregende – auch wenn Ronald Reagans Sieg einem Erdrutsch gleicht –, es ist vielmehr die Zäsur, die so entscheidend ist, weil sie zu neuer Besinnung zwingt.

Ab in die Provinz

Mit dem nächsten Jahr beginnt das vielbeschworene Zeitalter der Neuen Medien. Vom 1. Januar 1985 an wird ein erstes privates, von Verlagen und Banken finanziertes Fernsehprogramm überall da ins Kabel eingefüttert, wo Landesgesetze dies erlauben.

Bruchgefahr

Manche Staaten sind unter dem Stern der Unsicherheit geboren. Dazu zählt auch Indien. Um die äußere Sicherheit ihres Landes ging es Indira Gandhi wie keinem Ministerpräsidenten vorher.

Nasenstüber

Alle Regierungen stehen in der Versuchung, Verfassung und Gesetz zu dehnen oder zu biegen – und alle Regierungen werden deshalb gelegentlich vom Bundesverfassungsgericht in ihre Schranken verwiesen.

Zeitspiegel

Wie übersteht die britische Wirtschaft den Streik der Bergleute? Die einfachste Antwort ist der Hinweis auf Englands Nordsee-Öl; die weniger offensichtliche Antwort: In den acht Monaten seit Ausbruch des Streiks hat Großbritannien Kohle aus Amerika, Südafrika und Polen eingeführt, obwohl sich die Hafenarbeiter aus Solidarität mit Arthur Scargills Kumpeln weigern, die großen Kohletransporter zu löschen.

Zähne zusammen und durch

Wenn der Bundesfamilienminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler eine politische Absicht lautstark dementiert, steht zu befürchten, daß er sie insgeheim hegt.

Taugt Bonn noch als Partner?

Helmut Kohl ist es gelungen, während des deutsch-französischen Gipfels vorige Woche in Bad Kreuznach das Blatt zu wenden. Seine Gesprächspartner, allen voran Präsident Mitterrand, waren "ziemlich besorgt" angereist; sie befürchteten, daß vom Bundeskanzler "in einer so delikaten Lage" nicht viel zu erwarten sei, daß die deutsche Delegation wieder einmal nicht bei der Sache sein würde.

Rätsel um sechs Millionen

Unbekannt ist der FDP, wie sie fröhlich beteuert, ein Wohltäter, der ihr im Dezember 1983 sechs Millionen Mark als Spende überwies.

Viel ändern wird sich nicht

Ein Gespenst geht um in der Bundesrepublik: der Abgeordnete mit den gläsernen Taschen, jeder Herzschlag hörbar dem Gewissen verpflichtet, im Kopf nur das Gemeinwohl, und die ganze Figur luftdicht verpackt gegen gesellschaftliche Zugluft, abgeschirmt gegen jegliche Art von Interessen.

Ben Witter: Angetippt

Tischlermeister Helmut K. – wenn ich mir seine Innung ansehe, gibt’s da viele wie ihn, also halbe Künstler – hatte den Abiturienten C.

Kurzer Schritt zum langen Abschied

Jetzt wird sie wieder schweigen müssen – bis zum Tod. Noch im März konnte Stalins Tochter Swetlana im Interview mit dem Observer über ihre Hoffnungen auf eine Liberalisierung des diktatorischen Regimes in der Sowjetunion und auf einen sowjetischen Dubček sprechen.

Nordsee: Der Müll bleibt im Meer

Vielen Umweltfreunden wären wohl die Tränen gekommen, hätten sie die Eröffnungsreden der Nordsee-Schutzkonferenz hören können – soviel guten Willen äußerten die Delegationen der Anrainerstaaten.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: Remmers: Die Nebelwerferei schadet

Auf dem Parteitag der rheinlandpfälzischen CDU in Trier (siehe auch S. 23) warnte der Gastredner Werner Remmers, christdemokratischer Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Landtag, seine Parteifreunde vor selbstgerechten Reaktionen auf Enthüllungen in der Flick-Affäre.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Staaten aus Ost und West haben eine großangelegte Hilfsaktion gestartet, um die Hungergebiete Äthiopiens mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen.

Chile: Neue Krise des Regimes

Nach einem Generalstreik und blutigen Straßenschlachten zwischen Regimegegnern und der Polizei ist in Chile das gesamte Kabinett zurückgetreten.

BONNER BÜHNE: Denkwürdige Debatte

Ich denke überhaupt nicht daran – wenn ich schlechte Politik mache, kann ich keine gute Presse erwarten ich denke nicht an eine Journalistenschelte pauschal, aber – und das konnte man doch in den letzten drei Wochen an unglaublichen Beispielen erleben –, daß in einer Weise auch falsch gespielt wird, auch Meldungen umfunktioniert werden, das läßt sich ja nicht leugnen.

Weizsäcker in Paris

Präsident François Mitterrand bereitete ihm einen herzlichen Empfang: aber auch Dany le Rouge, der heute eher grüne als rote Daniel Cohn-Bendit, lobte Richard von Weizsäcker als einen Mann, "in dem sich die Deutschen wiedererkennen".

Was soll aus Indien werden?

Indien ohne Indira Gandhi – eine Wirklichkeit, die sich mit der Vorstellung immer noch nicht vereinbaren lassen will. "Indira ist Indien, und Indien ist Indira", diese zündende, zugleich alberne Parole, die zu ihren Lebzeiten die Massen begeisterte und die Kritiker entsetzte, wird nun, nachträglich, doch noch wahr.

Gegen Kühe und Kasten

Sikhs dienten als Leibwächter Indira Gandhis, Sikhs in höheren Rängen der Armee werden verdächtigt, hinter dem Attentat zu stehen.

DDR-Aussiedler: Fremde im eigenen Land

Die Bilder sind noch in Erinnerung, wie das Notaufnahmelager Gießen plötzlich überquoll. Im Frühjahr hatten die Schlagzeilen immer wieder über die Landsleute berichtet, die gleichsam über Nacht und sonder Zahl aus der DDR kamen, nicht als "Sperrbrecher", sondern mit der Genehmigung ihrer Behörden.

Die Mühsal des Siegens

Als erster wagte es ein venezolanischer Präsident, der Christdemokrat Rafael Caldera, Anfang der sechziger Jahre, mit der Guerilla in seinem Land zu verhandeln.

Heidemann/Kujau-Prozeß: Drei Zeugen in Not

Die drei ersten Zeugen im Betrugsprozeß um die vermeintlichen Hitler-Tagebücher haben eines gemein: Sie alle waren, noch vor dem mitangeklagten stern-Reporter Gerd Heidemann, auf den Stuttgarter Handschriften- und Bilderfälscher Konrad Kujau hereingefallen.

SPD: Eine müde Opposition

Immer, wenn er so selbstgefällig in sich hineinlacht, soll ein Bonmot, ein Keulenschlag oder auch eine Diffamierung besonders gut treffen.

Kommunalwahlen: Sieg der Matadore

Bei Gertrud J., Besitzerin eines kleinen Ladens in einer kleinen Gemeinde in Baden-Württemberg, wird Kommunalpolitik gemacht.

CDU: Die Faust in der Tasche

Nebel lag schwer auf dem 2000jährigen Trier, herbstliche Melancholie wohl auch auf der Seele so manches Bürgermeisters oder Kreisvorsitzenden, Landrats und Ortsvereinsersten.

Haschisch: Katzenglück

Dreizehn Cannabispflänzchen, zwischen 15 und 35 Zentimeter hoch, soll der 27jährige Kranführer Wolfgang A. in seinem Schlafzimmer gezüchtet haben – so lautete die Anklage vor dem Hamburger Amtsgericht.

Richterschelte: Im Freispruch verurteilt

Der Fall ist Routine im bundesdeutschen Justizalltag: Ein Hausmeister, 49 Jahre alt und strafrechtlich "bislang noch nicht in Erscheinung getreten", steht im Verdacht, mit Hilfe von Nachschlüsseln mehrere kleine Diebstähle begangen zu haben.

Abschiebung: Statt Schule Türkei

Als Rafaettin Akar 1963 aus der Türkei in die Bundesrepublik kam, war seine Arbeitskraft – und mithin auch seine Anwesenheit – erwünscht.

Die unheimliche Verschwendung

Der Kanzler entledigte sich einer Routineübung: "Eine dauerhafte Gesundung der Wirtschaft verlangt auch, daß wir die Subventionen überprüfen", sagte Helmut Kohl in seiner Regierungserklärung im Mai 1983.

Das Maß der Milde

Ein Oberlandesgericht", so hatte Jürgen Kollmorgen, Vorsitzender Richter des Kartellsenats am Berliner Kammergericht, sich selbst den Maßstab gesetzt, "ist gezwungen, den Dingen mehr auf den Grund zu gehen, weil es auch einen Standard zu wahren hat.

Privatisierung: Die guten ins Töpfchen...?

Verglichen mit dem Tempo, das Margaret Thatcher bei der Privatisierung britischer Staatsbetriebe vorlegt, geht Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg eher bedächtig ans Werk.

Bonner Kulisse

Manch einer macht sich wohl noch Illusionen, die Affäre um Flick-Millionen, Parteispenden und anrüchige Beraterverträge von Abgeordneten werde doch noch zu einer Wende führen.

Schatten der Vergangenheit

Es ist ruhig geworden um die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV). Beim 11. ordentlichen Kongreß, der in dieser Woche in Mannheim stattfindet, stehen Sachthemen im Vordergrund.

Was sind Subventionen?

Wissenschaft und Praxis streiten miteinander darüber, was Subventionen sind. Im Detail wenig weiter hilft die Standarddefinition: "Eine Subvention ist eine staatliche Hilfe für den privaten Sektor oder Verbraucher spezieller Güter, Dienstleistungen oder Proauktionsfaktoren.

Zeit spart Geld

Der Bundesfinanzhof hat in einem erst jetzt veröffentlichten Urteil die Chancen, mit Hilfe von Verlustzuweisungen Steuern zu sparen, erheblich eingeengt.

Börsen-Report: Mit Blick auf die USA

Ära in den USA. Der Blick bleibt auf den Dollar gerichtet. Kein Land, auch das stärkste nicht, kann – so die Überlegungen – auf Dauer über seine Verhältnisse leben.

Rüstungsetat: Über den Daumen gepeilt

Verteidigungsminister Manfred Wörner widerfuhr, was noch keinem seiner Vorgänger passierte. In bisher nie gekannter Form sperrte der Haushaltsausschuß dem Minister Gelder, mit denen Wörner neue Großwaffensysteme für alles in allem 35 Milliarden Mark beschaffen will.

Fortbildung forcieren

Pieroth: Es gibt in Berlin eine Vielzahl von Betrieben, die jetzt ausbauen und nicht immer die gewünschten Arbeitskräfte finden.

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