Trotz teilweise beachtlicher Wertsteigerungen sind die großen deutschen Aktienfonds Stiefkinder der Sparer geblieben. Immer mehr Anleger kehren ihnen den Rücken. Was sind die Gründe?

Die meisten deutschen, auf breite Risikostreuung abgestellten Aktienfonds haben trotz der langen Börsenhausse keine neuen Kunden gewinnen können: Es werden immer noch mehr Anteile zurückgegeben als neu verkauft. Die Frage ist berechtigt, was denn noch passieren muß, um das Investment-Sparen in der Bundesrepublik wieder populärer zu machen.

Die großen Fonds-Gesellschaften haben darauf eine Antwort gefunden. Sie legen sogenannte Spezialfonds auf, die sich auf bestimmte Branchen oder Regionen konzentrieren. Novitäten haben auch am Sparermarkt ihre Zugkraft. Das gilt besonders für Fonds mit neuen Anlagekonzeptionen. Aber wie lange hält das an? Es gibt gewisse Anzeichen, daß der Neuheitseffekt bereits nachzulassen beginnt. Viele Anleger scheinen sich raschere Gewinne versprochen zu haben, als ihnen schließlich geboten werden konnten. Auch hier wird eben nur mit Wasser gekocht.

Wer sein Geld Investment-Fonds anvertraut, muß vor allem Realitätssinn mitbringen. Er muß abschätzen können, was erreichbar ist und was nicht. Der auf eine mehr oder weniger breite Streuung abgestellte Aktienfonds, zumal wenn er sich nach seiner Satzung auf deutsche Aktien konzentriert, wird sich immer im Trend der allgemeinen Tendenz bewegen. Die Anlagekonzeption dieser Aktienfonds ist auf ein langfristiges Investment abgestellt. Das hat beim Investa – ein Aktienfonds der DWS Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen mbH (steht der Deutschen Bank nahe) – im Geschäftsjahr 1983/84 (30. 9.) immerhin zu einer Wertsteigerung je Anteil um 14,19 Prozent geführt. Damit steht Investa an der Spitze aller DWS-Fonds. Gleichwohl ist sein Anteilumlauf um rund 8 Millionen Stück geschrumpft.

Dies ist nicht nur für die DWS bedauerlich, sondern auch für die Investa-Sparer. Ernst Bracker, Sprecher der DWS-Geschäftsführung, macht zu Recht darauf aufmerksam: Die Effektendispositionen bei Fonds mit kontinuierlichen Rückflüssen sind deshalb schwierig, weil einmal eine angemessene Barreserve zur Aufnahme weiterer Rückflüsse gehalten werden muß, und zum anderen darauf zu achten ist, daß durch notwendig werdende Effektenverkäufe die Qualität des Fonds insgesamt nicht verschlechtert wird. Es ist eben einfacher für ein Fonds-Management über die Frage zu entscheiden, wo neue Mittel angelegt werden müssen, als immer zu prüfen, welche Aktien zur Mittelbeschaffung als nächstes abgestoßen werden müssen.

Doch am Anlageerfolg kann es diesmal nicht gelegen haben, wenn der Fonds weiter geschrumpft ist. Möglicherweise hat sich die DWS mit ihren Rohstoffonds, Energiefonds oder Technologiefonds selbst Konkurrenz gemacht. Es könnten Investa-Anteilseigner in die "interessanten" Spezialfonds umgestiegen sein.

Als sicher kann unterstellt werden, daß viele Aktienfondssparer sich immer noch nicht mit dem zur jährlichen Ausschüttung gehörenden Körperschaftsteuerguthaben angefreundet haben. Dies kann erst nutzbar gemacht werden mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung, die es beim Finanzamt gibt, oder mit Deklaration der Fondsausschüttung in der Einkommensteuer.