Die nächsten vier Jahre: Kalter Krieg oder Versuch des Ausgleichs?

Von Marion Gräfin Dönhoff

Diesmal sind die amerikanischen Wahlen von allergrößter Bedeutung. Auch für uns, auch für Europa. Nicht das Resultat ist dabei das Aufregende – auch wenn Ronald Reagans Sieg einem Erdrutsch gleicht –, es ist vielmehr die Zäsur, die so entscheidend ist, weil sie zu neuer Besinnung zwingt. Beides ist jetzt möglich: Fortsetzung der bisherigen Politik – patriotischer Überschwang, verwirrende Unberechenbarkeit, entwaffnende Konzeptionslosigkeit, kalter Krieg –, aber es kann auch sein, daß eine ganz neue Ära der Normalisierung beginnt, daß an die Stelle von hektischer Militarisierung jedweden Problems wieder Politik und Diplomatie treten.

Nur ein Schritt trennt die eine Alternative von der anderen. Die Wand, die dunkle Schrecken von hellerer Zukunft scheidet, ist ganz dünn. Selten liegen Heil und Unheil so dicht nebeneinander. Alles hängt davon ab, wie Präsident Reagan sich entscheidet. Was wird bei ihm die Oberhand gewinnen: ideologischer Eifer, der Wunsch, die Menschheit vor dem Übel – dem evil empire – zu "bewahren", oder der Versuch, den Lorbeerkranz des Friedensstifters zu erwerben und damit alle Vorgänger auszustechen: auch Eisenhower, auch Kennedy.

Frostiges Klima

Ronald Reagan könnte sich die Wende gut leisten. Es ist ihm gelungen, den Amerikanern, die durch die Erfahrung in Vietnam, durch Präsident Nixons Sturz und das iranische Geiseldrama zutiefst verunsichert waren, ihr Selbstgefühl wiederzugeben. Jetzt ist alles wieder da: der Stolz auf das Vaterland, das Vertrauen in die eigene Stärke, der Sinn für Amerikas Traditionen, der Glaube an die Zukunft und das Auserwähltsein – manchmal so sehr, daß man denkt, etwas weniger von alldem wäre vielleicht besser.

Reagan beweist, wie unrecht die Marxisten haben, die nur drei Produktionsfaktoren kennen: Arbeit, Kapital und Boden – der vierte ist der wichtigste: die Einstellung der Menschen.