Nachschlagwerke und Enzyklopädien sind der Idee nach Derivate der Aufklärung, entstanden aus dem Impuls, Wissen zu verbreiten, zu demokratisieren. In unserer Gegenwart, die den Idealen der Aufklärung so oft irrationale Trends entgegenzusetzen versucht, halte ich es für wichtig, wenn traditionsstarke Quellen nicht versiegen. Besonders für junge Leser, Schüler und Wissenshungrige jeder Provenienz, ist die umfangreiche Duden-Bibliothek nützlich. In dieser Reihe Schüler-Duden ist nun ein Sachlexikon –

Gerhard Kwiatkowski (Hrsg.): "Die Kunst"; Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich; 530 S., 21,– DM

erschienen, das in 3000 Stichwörtern das komplexe Thema zu erfassen sucht. Farbige und Schwarz-Weiß-Illustrationen, ein Personenregister und Literaturhinweise, die thematisch gegliedert sind nach Theorien, Stilkunde, Techniken und Lexika, ergänzen das pragmatische Nachschlagwerk.

Begriffe, Stilepochen, künstlerische Verfahren, Gestaltungsprobleme und Erscheinungsformen moderner Künste (Photographie, Video, Design, Werbung) werden beschrieben.

Nehmen wir das Stichwort Renaissance: fast vier Seiten, die Auskunft geben sollen über alle Teilaspekte dieser Epoche von der florentinischen Protorenaissance, über Hochrenaissance zur Spätphase. Künstler, Bauwerke, Skulpturen, Jahreszahlen werden genannt, aber auch die Unterschiede und Wesensmerkmale an Beispielen nördlich und südlich der Alpen. Die historische Entstehung des Begriffs (geprägt von der französischen Kunsttheorie des 19. Jahrhunderts) wird ebenso erläutert, wie die gesellschaftspolitischen Hintergründe dargelegt werden. Solide Information auf engstem Raum.

Die Autoren haben ihre Zielgruppe, Schüler und Studenten des Studienfaches Kunst, fest im Auge, wenn zum Beispiel dem Stichwort Drucken fast sechs Seiten gewidmet werden. Hoch-, Flach- und Tiefdruckverfahren werden in Text und Illustration erläutert: exakte, knappe Beschreibungen der Techniken von Kupferstich bis Aquatinta, Steindruck, Offset oder Holzschnitt.

Daß über den "Spachtel" zehn Zeilen, über "art deco" vierzehn und die "Präraffaeliten" gerade zwölf Zeilen Text erscheinen, würde ich für eine falsche Gewichtung in der Beschreibung eines einfachen Handwerkzeuges halten. Im Ganzen aber läßt sich sagen, daß die schwierige Aufgabe, einen brauchbaren Überblick zu dem gewaltigen Themen-Komplex Kunst herzustellen, anständig gelöst ist. Gerechterweise läßt sich ein Schülerlexikon nicht mit einem zwölfbändigen Fach-Lexikon vergleichen. Dem Schüler bietet dieser Informationsband ein Nachschlagwerk, das praxisbezogen ist, weiterführen kann durch die Titel im Anhang und zu Recht seinen Platz in der Schülerbibliothek hat. Ulrike Stielau