Der neue Finanzminister Vranitzky will mehr Effizienz in die öffentliche Wirtschaft bringen

Als der österreichische Bundeskanzler Fred Sinowatz im September seinen neuen Finanzminister präsentierte, kam er aus dem Strahlen nicht mehr heraus: Stolz blickte er immer wieder auf seinen Wunschkandidaten, den er im zweiten Anlauf doch noch auf den wichtigen Posten gehievt hatte. Mit Franz Vranitzky hat er einen Finanzminister gefunden, der Kompetenz ausstrahlt, während der Vorgänger Herbert Salcher, den Sinowatz noch aus der Ära Kreisky übernehmen mußte, über das Bemühen nicht hinauskam.

Der 46jährige Vranitzky gilt als integer, tüchtig, sieht dazu gut aus und hat sich in seinen Jahren als Bankdirektor Erfahrung und Schliff erworben. Bundeskanzler Sinowatz konnte mit seiner Bestellung sogar all jene in der Regierung zufriedenstellen, die Sehnsucht nach der Rückkehr von Ex-Finanzminister Hannes Androsch hatten. Denn Vranitzky war einst Androschs Mitarbeiter im Finanzministerium in der Wiener Himmelpfortgasse. Dank Androschs Hilfe landete er auf einem Vorstandssessel der Creditanstalt-Bankverein, der größten Bank des Landes. Später wechselte er als Vorstandsvorsitzender zur zweitgrößten österreichischen Bank, der Länderbank.

Man hält Vranitzky deshalb wie Androsch für einen Macher, wobei er den Vorteil hat, durch keinerlei Gerüchte und Beschuldigungen um persönliche Geschäfte belastet zu sein. Im Gegenteil: Vranitzky startet mit dem Image eines Mannes, der einer höheren Aufgabe zuliebe auch verzichten kann. Der Job des Finanzministers bringt ihm persönlich wesentlich weniger Geld als der Vorstandsvorsitz in der Länderbank.

Seinem Ruf von Gradlinigkeit und Vernunft kam der neue Finanzminister gleich bei seinem Amtsantritt nach, denn in seiner Erklärung setzte er sich vom politischen Stil der letzten Zeit unter Kreisky und Salcher deutlich ab: "Ich mache nur die Ankündigung, daß ich keinerlei Ankündigungen machen werde", meinte er lapidar in Anspielung auf die vielen, immer wieder geänderten Ankündigungen – zum Beispiel über eine nie verwirklichte Steuerreform – von Ex-Finanzminister Salcher.

Die Euphorie beim Amtsantritt des neuen Finanzministers wurde nahezu von allen Zeitungen und politischen Lagern in Österreich geteilt. Selbst Oppositionspolitiker Robert Graf, der Wirtschaftssprecher der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), konnte seine’Achtung nicht verhehlen.

Doch die Wirklichkeit sah für Vranitzky bald anders aus. Als Länderbank-Chef hatte er noch am Ende dieses Sommers – obwohl er zur Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) gehört – über die unter Kreisky und Salcher eingeführte Zinsertragssteuer geklagt, und man erwartete, daß er sie abschaffen würde. Der Bankmann Vranitzky hätte wohl auch so gehandelt, aber der Finanzminister sah sich mit den Budgetnöten und dem Widerstand der Gewerkschaften konfrontiert. So präsentierte er nur eine Senkung der Steuer: Statt 7,5 Prozent müssen von 1985 an nur mehr fünf Prozent von jeder Zinseinnahme an den Fiskus abgeliefert werden. Eine halbherzige Maßnahme, die Vranitzky entsprechend kühle Medienreaktionen brachte. Die Anfangslorbeeren begannen zu welken.