Mit einer dürftigen Schlußerklärung drückten sich die Teilnehmer der Nordsee-Schutzkonferenz in Bremen um wirksame Maßnahmen gegen die Verschmutzung des Meeres herum.

Vielen Umweltfreunden wären wohl die Tränen gekommen, hätten sie die Eröffnungsreden der Nordsee-Schutzkonferenz hören können – soviel guten Willen äußerten die Delegationen der Anrainerstaaten. Nur die Briten kamen gleich zur Sache: Probleme gebe es im Ernst doch nur im südöstlichen Teil der Nordsee vor den Flußmündungen des Kontinents. Und die "stark bevölkerte" britische Insel mit ihren "begrenzten Landmöglichkeiten" müsse einfach Abfälle auf hoher See verklappen, das möge man doch bitte verstehen.

Innenminister Zimmermann, der zur Konferenz eingeladen hatte, verstand nicht. Nicht, weil die rührseligen Bilder der Briten falsch waren (Großbritannien ist genauso groß wie die Bundesrepublik und hat sogar weniger Einwohner), sondern weil genau das eintraf, was Kritiker der Konferenz vorhergesagt hatten: Die Briten würden alle Anstrengungen zur Rettung der Nordsee blockieren.

Flugs wurde die Tagesordnung umgeworfen, und bis früh in den Morgen berieten die Minister hinter verschlossenen Türen. Heraus kam eine fünf Seiten lange, wäßrig formulierte Erklärung, die als Krönung eine neue Konferenz in zwei Jahren in Aussicht stellte.

Friedrich Zimmermann gab vor, trotzdem zufrieden zu sein: "Blauäugig" sei, wer von der Konferenz konkrete Ergebnisse erwartet hätte. Seine Freude wirkte nicht überzeugend. Zu oft und zu lange hatte er auf die Bremer Konferenz verwiesen, wenn es um Sofortmaßnahmen ging. Zum Sondergebiet wollte er die Nordsee machen: Schiffe hätten kein Öl mehr ins Wasser geben dürfen. Das hätte allerdings weitere teure Öl-Entsorgungsanlagen in den Häfen bedeutet. Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Norwegen wollten das nicht.

Kritiker argwöhnten, der Minister fordere nur deshalb so laut das Sondergebiet, weil er es zum einen nicht durchsetzen kann, und zum anderen, weil er von der viel bedeutenderen Schmutzquelle ablenken will, den Flüssen, über die auch die deutsche Industrie die Nordsee belastet.

Nicht das Sondergebiet war der entscheidende Punkt, sondern die Frage, inwieweit die europäischen Nachbarn das deutsche Vorsorgeprinzip als Richtschnur des Umweltschutzes anerkennen würden, also den Grundgedanken, Schäden gai nicht erst entstehen zu lassen und die Einleitungen giftiger Stoffe zu unterbinden, bevor tote Fische Schlagzeilen machen.