Ein Schwall Salzwasser schwappt durch den Atemschlauch. Das Glas der Maske ist Mattscheibe statt Fenster. Das Gummiband drückt auf die Schläfen. Tückisch, so ein erster Schnorchelversuch. Aber das Kopfunter muß einfach sein: Der Golf von Eilat ist nur unter Wasser schön.

Blitzend bunte Fische streifen am Riff des Korallenstrandes entlang, sitzen als zitronengelbe, violette oder türkise Tupfen auf wabernden Wasserpflanzen, leuchten wie Blinklichter aus der Tiefe herauf, in knalligem Pink, Orange oder Grün. Die seltsamsten Tierchen tummeln sich in den tropisch warmen Fluten, Schwärmer und Einzelgänger – alle zum Anfassen nah.

Es gibt glücklicherweise auch eine Möglichkeit, Clown- und Kugelfischen auf weniger hautnahe, weniger lungenstrapazierende Weise guten Tag zu sagen. Eilat nennt ein Unterwasser-Observatorium mit einem Beobachtungsturm mitten im Meer sein eigen. Da kann man über eine Wendeltreppe in viereinhalb Meter Tiefe hinabsteigen und durch große Panorama-Scheiben das submarine Treiben beäugen. So mancher Fisch glotzt ungeniert zurück, mit Riesen-Kulleraugen und unmanierlich weit aufgesperrtem Maul.

Über Wasser, an den Gestaden des Roten Meeres, gibt es wenig zu staunen. Eilat, Israels nunmehr einziger Badeort am Golf, ist bar jeder Idylle, eine nüchterne Würfel-Wüstenstaat, Hafen, Öl-Verteilungszentrale und strategischer Stützpunkt zugleich. 25 000 Einwohner zählt die Stadt heute, Anfang der fünfziger Jahre, als israelische Pioniere die vergammelte Polizeistation zu einer richtigen Siedlung aufzumöbeln begannen, lebten nur spärliche dreihundert Leute im Ort.

Als Touristenzentrum boomte Eilat erst 1967, nach der Besetzung des Sinai. Hotels, Bars und Kneipen entstanden in rascher Folge, streng separiert von allem, was nach schnöder Industrie aussieht. Eine eigene Urlaubersiedlung ist so im Lauf der Zeit als Appendix zu Eilat entstanden. Eine künstliche Lagune streckte den knapp zehn Kilometer langen Ortsstrand um weitere fünf Kilometer, die Yachten und Segelboote bekamen einen eigenen Hafen. Nicht einmal der Weg zum Hotel bringt Berührung mit der Stadt: Der Flughafen schließt gleich an die Bettenburgen an.

Baustellencharakter hat das Ferienareal noch heute. Allenthalben stolpert man über Balken und Betonträger. Da läßt ein bereits etablierter Hotelier seinem Haus einen zweiten Flügel verpassen, dort wird eine Klubanlage oder ein Spazierweg saniert. Kurz vor der Vollendung steht der 460-Betten-Tempel "King Solomon’s Palace". Dem nunmehr größten Haus am Platz fehlen nurmehr schmückende Accessoires, ein paar Spielsalons im Keller, ein Flanierboulevard im Freien und ein Wassersportzentrum an der Lagune. Dann soll’s richtig losgehen mit einer für Israel neuen, in Spanien jedoch bereits erprobten Freizeitphilosophie: Rund-um-die-Uhr-Animation für die Gäste, tagsüber Spiel und Sport und abends jede Menge Jubel und Trubel mit Shows und Schwänken. in der Lounge.

Geradezu verschwenderisch ist die Poolanlage des neuen Hotels ausstaffiert. Dessen Manager haben es darauf angelegt, Eilat als Winterdestination in Wettstreit zu den Kanarischen Inseln zu bringen. Die Grundüberlegungen des Konzepts zum Konkurrieren: Eilat ist ein x-beliebiger Ferienort. Seine Stärke ist die das ganze Jahr hindurch stetig sengende Sonne. Wenn die Hotels den Leuten viel Platz zum Planschen und Faulenzen bieten, dazu Palmen und Pavillons als fashionable Kulisse, was brauchen sie da noch einen Strand?