(27) Wehrpflichtverlängerung

Das Bundeskabinett hat beschlossen, vom 1. Januar 1989 an die Wehrpflicht von 15 Monaten auf 18 Monate zu verlängern. Dieser Beschluß verlangt eine Änderung des Gesetzes, ehe er wirksam werden kann.

Pro:

1. Durch die geburtenschwachen Jahrgänge seit 1970 (sogenannter Pillenknick) wird von 1989 an nicht nur die Zahl der Studenten und hoffentlich auch der Arbeitslosen, sondern gewiß auch die Zahl der Wehrpflichtigen abnehmen und unter jene 250 000 sinken, die gebraucht werden, um den Bedarf der Bundeswehr, des Bundesgrenzschutzes, der Polizei, des Katastrophendienstes und des Entwicklungsdienstes an jungen Männern zu decken.

2. Ceteris paribus, werden diese geburtenschwachen Jahrgänge zur Folge Haben, daß die Bundeswehr nach 1988 weder die einst als notwendig erachtete Zahl von 500 000, dann 495 000, noch die aktuelle von etwa 470 000, noch die vom Verteidigungsministerium als "absolutes Minimum" festgestellte von 456 000 Soldaten erreichen wird.

3. "Praktisch würde das bedeuten, daß das Kernstück der Verteidigung der Nato in Mitteleuropa, die Bundeswehr, die ihr übertragenen Verteidigungsaufgaben nicht mehr würde erfüllen können." (Rüdiger Moniac)

4. Die Bundesrepublik hat sich gegenüber ihren Nato-Vertragspartnern verpflichtet (auf dem Wege über den EVG-Vertrag von 1952 und den Pariser WEU-Vertrag von 1954), 500 000 Soldaten zu stellen, oder doch wenigstens 456 000, oder doch wenigstens 38 Brigaden, oder – neueste Version – einen "Verteidigungsumfang" von 1,25 Millionen, der demnächst auf 1,36 Millionen erhöht werden soll. Die Differenz zwischen Bundeswehrstärke und "Verteidigungsumfang" wird durch schnell verfügbare Reservisten ausgeglichen.