Auf dem Parteitag der rheinlandpfälzischen CDU in Trier (siehe auch S. 23) warnte der Gastredner Werner Remmers, christdemokratischer Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Landtag, seine Parteifreunde vor selbstgerechten Reaktionen auf Enthüllungen in der Flick-Affäre. Auszüge aus der Rede des CDU-Politikers:

Nun sollten wir in diesen Tagen nicht verschweigen, daß unsere parlamentarisch repräsentative Demokratie, überhaupt unsere Politik, unsere Parlamente, unsere Regierung schweren Schaden genommen haben durch das, was wir die Flick-Affäre nennen ... Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß wir beim Aufarbeiten dieser Probleme schon wieder jene Fehler machen, die unseren Bürgern an uns schon öfter aufgefallen sind und die sie sagen lassen: So sind die Politiker eben. Es ist ja nicht nur so, daß die Affäre als solche dem Ansehen der Demokratie schadet, auch die Art und Weise der Nebelwerferei, die jetzt eingesetzt hat, schadet ja schon wieder. Wenn jetzt von Kampagnen geredet wird, die sich gegen dieses oder jenes richten, wenn die wechselseitige "In-die-Schuhe-Schieberei", bezogen auf die jeweiligen tatsächlichen oder vermeintlichen Schuldanteile, betrieben wird, dann schäme ich mich, daß wir schon wieder bei der Aufarbeitung dieser Probleme die Vorurteile der Bürger bestätigen...

Natürlich gibt es Schadenfreude und natürlich gibt es eine ganze Reihe von politischen und moralischen Saubermännern in einigen Medien, die mit pharisäerhafter Pose als weltliche Hohepriester der öffentlichen Meinung rigorose moralische Maßstäbe an alles anlegen, nur nicht an sich selbst und ihre eigenen Machwerke ... Das alles mindert aber nicht den Schaden, der in diesem Fall von einem Konzern angerichtet worden ist. Er läßt sich an den einzelnen Vorgängen, die so oder so zu beurteilen sein mögen, gar nicht mehr ermessen ...

Für unsere Partei sollten wir auch den Mut haben, eine Diskussion darüber zu führen, ob wir wirklich für unsere Parteiarbeit so viel Geld benötigen. Haben wir uns nicht einen finanziellen Komfort angewöhnt, der so in kaum einem anderen westlichen Land üblich ist? Wir können nicht von Kostendämpfungsgesetzen, mehr Eigeninitiative und Ehrenamt reden und in der Partei zunehmend alles professionalisieren und mit barer Münze aufwiegen.