Wer mittags schon einmal hungrig durch Rom gelaufen ist, kennt das Problem: Bars und Urlauber-Restaurants gibt’s zwar in beinahe jeder Straße, ihr Angebot ist jedoch nur für anspruchslose Geschmacksnerven geeignet. Ein "Touristen-Menü" (flaue Spaghetti, fünf Salatblätter und ein Espresso) kostet im zentrumnahen Restaurant rund 15 Mark. Kein Wunder, daß indiesen Lokalen die Touristen unter sich bleiben. Wo aber essen die Römer, die in ihrer Mittagspause weder Zeit noch Geld für ein Fünf-Gänge-Menü im Zwei-Sterne-Restaurant haben?

Ein Treffpunkt für sie ist das "Café Aragno" in der Via del Corso, mit 2,5 Kilometern die längste gerade Straße Roms, mitten im Zentrum zwischen Piazza Venezia und Piazza del Popolo. Bei Aragno gibt es Fast-, food auf italienisch.

Um die Mittagszeit, also von 12.00 bis 15.00 Uhr, drängeln sich hier Sekretärinnen, Buchhalter und Abteilungsleiter aus den umliegenden Büros in der vier Meter hohen Halle, die ein Ambiente wie ein Ballsaal hat. Getönte Wandspiegel, Kassettendecke, Kristall-Lüster, die auch Versailles zur Ehre gereichen würden. Anders die brusthohen Stehtische, einfache Modelle, aber blitzsauber geputzt. Dasselbe gilt für die Vitrinen, in denen das Essen liegt.

Das Menü – vom Aperitif bis zum Espresso – stellt sich jeder selbst zusammen. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Pizza-Quadrate, dick mit Champignons und Artischocken belegt, Spinatkuchen mit Käse und Speck, Baguettes, aus denen Parmaschinken überhängt. Toast mit Lachs und Ei, in Mozzarella getaucht. Das meiste kostet umgerechnet zwischen drei und fünf Mark pro Stück – Hamburger-Preise für eine schnelle Delikatesse.

Als Dessert locken Baisertorten, Schokoladenkuchen, Zuckergußpasteten und ein paar Meter weiter zehn Sorten Eiscreme, eine leckerer als die andere. Junge Frauen trifft man meistens an der "Gesundheitsbar" beim frischgepreßten Fruchtsaft nach Wahl. Andrea Hauner

Das "Café Aragno" liegt in Rom an der Via del Corso, Ecke Via della Vite.